Allerleigeschichten schöne Geschichten für Groß und Klein
Allerleigeschichten schöne Geschichten für Groß und Klein

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Mein erstes Buch

 

Können Sie sich noch an Ihr erstes selbst gelesenes Buch erinnern?

Bei mir war das Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer. In meiner Kindheit war es nicht selbstverständlich, Bücher zu besitzen - so wartete ich sehnlichst darauf, alt genug für die Ortsbücherei zu sein. In der 1.Klasse war es endlich soweit - stolz durfte ich erstmals etwas ausleihen und das war Jim Knopf - bis heute kann ich dieses Gefühl abrufen. Wie es ist, ganz in einer Geschichte zu versinken und mit auf die Reise zu gehen ... wunderbar!

Heute ist es nicht immer so, aber ein paar Glücksfälle pro Jahr gibt es doch. Und die will ich gerne weitergeben!

Was war Ihr erstes Buch - wissen Sie es noch?

Natalie Fergie, Die Nähmaschine

Wunderaum Verlag

 

Die alte Singer Nähmaschine aus Großmutters Beständen birgt ein Geheimnis. Fred, der nur vorübergehend in die Wohnung der Großeltern einziehen will, ist fasziniert- so sehr, dass er sogar das Nähen anfängt.

Die Geschichte der Nähmaschine reicht über hundert Jahre zurück und erzählt von den Schicksalen der Familien , hauptsächlich der Frauen, die die alte Singer benutzt haben. Vieles davon ist in alten Notizbüchern und Nähproben festgehalten, die Fred  findet. Es wird erzählt von Kathleen, Jean, Conny, Ruth...sehr emotional und herzerwärmend.

Am Ende schließt sich der Kreis überraschend. 

Charlotte Link, Ohne Schuld

Blanvalet Verlag

 

Eine rätselhafte Sache, erst ein Überfall auf eine Frau in einem Zug, bei dem Ermittlerin Late Linville zufällig dabei ist. Etwas später ein Attentat auf eine junge Lehrerin, beide Fälle haben scheinbar nichts miteinander zu tun- allerdings wurde dieselbe Waffe verwendet. 

Es wird eng, sehr eng. Und Kate und ihr Kollege Caleb, der eigentlich vom Dienst suspendiert ist, spinnen einen Plan, der fast tödlich ausgeht...

Wieder einmal eine richtig spannende Charlotte Link, man liest und liest...

Ewald Arenz, Alte Sorten

Dumont TB

 

Sally ist abgehauen. Sie hat genug von ihren Eltern, bei denen immer alles nur schöner Schein ist. Sie war in der Psychiatrie und das nicht das erstemal, denn sie ist unangepasst, immer wütend und ritzt sich.

Nein sie fühlt sich nicht krank, sie ist nur im falschen Leben und will einfach ihre Ruhe haben. 

Auf ihrem Weg durch einen Weinberg trifft sie auf Liss. Die Bäuerin lebt ganz allein auf einem Hof und ist ebenfalls eine Einzelgängerin. Dazu noch mit einer schmerzhaften Vergangenheit, weshalb niemand im Dorf etwas mit ihr zu tun haben will.

Liss nimmt Sally bei sich auf für ein paar Wochen . Das junge Mädchen arbeitet mit auf dem Hof, sie fühlt sich seit langer Zeit wieder wohl, begeistert sich für den Duft der Birnen, das Gefühl, Erde anzufassen und sie fasst langsam Vertrauen zu Liss. Diese wiederum erkennt in Sally sich selber wieder als junges Mädchen- mit allen Ecken und Kanten.

Eines Tages steht die Polizei auf dem Hof, denn nach Sally wird natürlich gesucht. Und dann passiert viel Aufwühlendes für beide Frauen.

Ein wunderschön zu lesendes Buch, eigenwillig, frech, positiv. Zwei Frauengestalten die sich einander immer mehr annähern trotz vierzig Jahre Altersunterschied.

Thomas Hettche, Herzfaden

Kiepenheuer& Witsch

 

Als Kind hab ich die Augsburger Puppenkiste geliebt. Später dann wieder mit den Kindern geschaut und nun mit den Enkelkindern. Der Zauber ist ungebrochen.

Und doch habe ich fast nichts gewusst über die Entstehungsgeschichte,  über  die Eltern Oehmichen, ihre Tochter Hatü und die ganzen vielen Beteiligten der Puppenbühne.

Nach dem Krieg gründet Oehmichen sein Puppentheater und die ganze Familie ist involviert. Hatü schnitzt hauptsächlich die Marionetten, die Mutter näht die Kostüme. Die Auftritte werden mehr und sie kommen bald in ganz Deutschland herum. Und dann gibt es Anfang der Fünfziger die Fernsehaufzeichnungen und die Augsburger Puppenkiste wird berühmt. 

Es waren auch schwere Zeiten, die Wunden des Krieges sind noch lange nicht verheilt, was man den Menschen deutlich anmerkt.

Es gibt blaue und rote Seiten in dem Buch. Die roten spielen in der Gegenwart, in der sich ein kleines Mädchen auf den Dachboden zu den Marionetten verirrt- sie trifft auf Urmel, LiSi, Jim Knopf und auf ihre Schöpferin Hatü. Und letzere erzählt dann ihre Geschichte auf den blauen Seiten.

Ein ganz bezauberndes Buch, teils nachdenklich, auf jeden Fall zu Herzen gehend.

Clemens Arvay, Wir können es besser

Quadriga Verlag

 

Arvay ist Biologe und schreibt seit Jahren über die Zusammenhänge unseres Ökosystems und deren Einfluss auf uns Menschen. Alles hängt zusammen. Sein Buch über die heilenden Kräfte des Waldes ( Biophilia Effekt) hatte bereits großen Erfolg. In diesem neuen Buch erklärt er den Zusammenhang zwischen Corona Pandemie und unserem angeschlagenen Ökosystem. Sehr gut recherchiert, sachlich und auch Hoffnung machend. Aber auch immer sehr kritisch gegenüber den Medien und Angstmacherei. 

Hiltrud Baier, Tage mit Ida 

Fischer TB

 

Wer ist die auffällige Frau mit dem langen silbernen Zopf, die eines Tages im Café auftaucht, in dem Susanne bedient? Sie steht dann später auch vorm Haus ihrer Eltern und es stellt sich heraus dass sie eine Halbschwester  ihrer Mutter ist. Ida hat eine wechselhafte und nicht einfache Geschichte hinter sich. Als Halbjüdin verließ sie mit einem Kindertransport Deutschland und wuchs in Schweden bei einer Pflegefamilie auf. Alles, was mit Deutschland zu tun hatte, verdrängte sie, so lange es ging. Erst jetzt im Alter begibt sie sich auf Spurensuche nach ihren Wurzeln. 

Susanne wusste bis dahin überhaupt nichts von dieser Tante, die totgeschwiegen wurde. Sie hat die letzten Jahre sehr viel mit der  dementen Mutter zu tun gehabt, mit dem vererbten Café und mit ihren Eheproblemen. 

Durch Ida wird vieles aufgewirbelt und fügt sich letztendlich zum Besseren. 

Schön erzählt, einfache , klare Sprache, eine Geschichte, die berührt!

Grégoire Delacourt, Die Frau, die nicht alterte

Atlantik Verlag

 

Betty erzählt uns ihr Leben, ihre Kindheit,spricht über den frühen Tod ihrer Mutter, vom Vater, der das nie verwindet. Sie studiert, hat Affären und lernt dann André kennen- den Mann ihres Lebens. Ein Sohn wird geboren und das Leben ist schön.

Mit 35 stellt Betty fest, dass sie immer noch genauso aussieht wie mit 30. Und das ändert sich nun auch nicht mehr- jedes Jahr wird ein Foto von ihr gemacht, das deckungsgleich mit den früheren ist. Sie altert zwar innerlich, aber nicht äußerlich. Ein Phänomen , das sich niemand erklären kann. Nach anfänglicher Freude wird es allerdings immer mehr zur Belastung für Betty. Wie kann sie die Frau an der Seite des alternden Andrés sein? Und ihr Sohn sieht irgendwann älter aus als sie.

Ein ungewöhnliches Buch. Es hat mir nur so durchmischt gefallen, aber es ist viele Gedanken wert.

Frank Goldammer, Zwei fremde Leben

dtv TB

 

Goldammer, der Autor der historischen Dresden Krimis mit Max Heller, hat diesesmal einen  packenden Roman über Ricarda und deren Suche nach ihrem Kind geschrieben.

Die Geschichte beginnt 1973 in einer Klinik in Dresden.

 

Ricarda liegt in den Wehen mit ihrem ersten Kind, ihr Vater der Chefarzt leitet die Geburt. Draußen vor der Klinik wartet ihr Mann. Aber irgendetwas geht schief, das Kind sei tot heißt es und wurde gleich weggebracht. Aber stimmt das?

Ricarda wird nie mit dieser Erklärung fertig, sie glaubt, dass ihr Kind lebt, dass es weggegeben wurde. Jahrelang sucht sie nach der Tochter und bekommt dadurch nur Schwierigkeiten. Ihr Mann trennt sich von ihr, das Verhältnis zu den Eltern ist zerrüttet.

Sie ist fast untragbar für das sozialistische System.

Gleichzeitig sucht ein junger Polizist- Thomas Rust- auch nach dem Kind. Er ist zufällig in den Fall hineingeraten und ermittelt ohne Anweisung, kommt in Konflikt mit der Stasi und weiss bald überhaupt nicht mehr, wem er trauen kann.

Die Geschichte pendelt zwischen  1973 und 1993, immer wieder wechseln die Zeitebenen. 

Man erfährt einiges über das Leben in der DDR,  auch über die Zeit nach der Wende, die für alle  dort schwierig war. 

 

Das Buch ist packend geschrieben, leicht zu lesen und man legt es kaum aus der Hand.

 

 

 

Kent Haruf, Unsere Seelen bei Nacht

Diogenes TB

 

Ein weiterer Roman aus der fiktiven Stadt Holt in Colorado.

Addie ist 70, Witwe und einsam. Ihr Nachbar Louis ist auch alleine. Eines Tages macht sie ihm den Vorschlag, ob er nicht ab und an zu ihr kommen möchte zum Übernachten. Nur zum Reden, damit sie nicht so alleine sind. Louis ist mutig genug, um es zu versuchen. Fortan liegen sie fast jeden Abend nebeneinander und erzählen sich aus ihrem Leben . Natürlich bleibt das nicht unbemerkt in Holt und es gibt Klatsch, was die beiden aber nicht beirrt. Sie sind alt genug, um zu tun was sie möchten. Dann zieht vorübergehend Addies fünfjähriger Enkelsohn zu ihnen. Dessen Eltern haben eine Krise und Annies Sohn weiß nicht wohin mit dem Jungen. Das Leben ist schön in Holt zusammen mit Jamie und einen Hund gibt es auch noch.  Solange bis Addies Sohn diese Verbindung anrüchig findet- so benimmt man sich einfach nicht im Alter! Leider hat er viel zu viel Macht über Addie- er droht, ihr den Enkel zu entziehen...

 

Wieder einmal ein schönes , leises Buch von Haruf!

Raynor Winn, Der Salzpfad

Dumont Verlag

 

Was tun, wenn man unverschuldet sein Haus verliert, kein Dach mehr über dem Kopf hat und der Mann kurz darauf auch noch eine üble Diagnose beim Arzt bekommt?

Raynor und Moth beschließen zu wandern. Aber nicht mal nur so ein paar Tage- nein, den ganzen langen South West Coast Path- das sind über 1000 Kilometer in Südengland. Campingplätze sind zu teuer, sie übernachten fast immer irgendwo im Freien, über sich ein kleines Zelt, unter sich zwei sehr dünne Schlafsäcke, die nicht genügend wärmen. Zu essen haben sie oft nur ein Minimum, Nudeln oder Reis und Wasser bekommen sie meist geschenkt. Das hört sich alles nicht so sehr positiv an, ist es aber- das langjährige Ehepaar wächst an der Situation. Sie sind glücklich und Moth bekommt sogar neue Kraft und fühlt sich nicht mehr so krank und elend. Die beiden verwachsen fast mit der Natur um sich, mit dem Meer, dem Sand, dem Wind . Es gibt auch mal schlechte Tage, aber selten. 

Eine wunderbare wahre Geschichte, die Mut macht, nie aufzugeben und immer zu schauen, was hinter der nächsten Biegung kommt. 

Sabine Vöhringer, Karl Valentin ist tot 

Gmeiner Verlag

 

Der Titel hat mich neugierig gemacht, da ich ein großer Valentin Verehrer bin. Und ja, er spielt eine wichtige Rolle in dem Krimi.

Im gleichnamigen Gymnasium gehen seltsame Dinge vor sich. Vor zwei Jahren ist ein Schüler gestorben. Es heißt, er habe sich übers Geländer gestürzt. Ob das stimmt? Nun ist die stellvertretende Direktorin ermordet worden, die keiner leiden konnte. Während Tom Perlinger mit seinem Team ermittelt, passieren noch weitere Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenhängen. Oder doch? Bei dem Vorzeigegymnasium, das viele der Schüler unter Druck setzt, stimmt einiges nicht. 

Der Regionalkrimi liest sich spannend und flüssig, er führt an einige bekannte Stellen in München wie die Frauenkirche oder den Vikutualienmarkt. Und es wird manches von Karl Valentin zitiert oder über ihn erzählt. 

Wolfgang Schorlau/ Claudio Caiolo

Der freie Hund

Kiepenheuer& Witsch Tb

 

Nein, diesmal ist nicht Dengler die Hauptperson. Und der Krimi spielt auch nicht in Stuttgart.

 

Commissario Morello aus Sizilien wird versetzt nach Venedig- unfreiwillig. Er hat seine Nase zu tief in die Geschäfte der Mafia gesteckt und ist gefährdet. Und es heisst, in Venedig gibt es keine Mafia. Ein Irrtum, wie sich bald herausstellt. 

Morello gefällt "die schönste Stadt der Welt" nicht besonders, es stinkt, es ist viel zu voll und die neuen Kollegen stehen ihm teilweise ablehnend gegenüber. Was soll der Süditaliener hier?  

Schorlau gelingt es wieder sehr gut, politisch aktuelle Themen in seine Geschichte zu verweben. Diesmal geht es um die Touristenströme und Kreuzfahrtschiffe, die die Lagunenstadt kaputt machen. Ein Aktivist wird ermordet- ein junger Mann aus reichem Haus und Morello gibt sich nicht damit zufrieden, dass es sich um eine Beziehungstat handeln soll. Und so rührt er den Sumpf von Venedig auf.

Spannend erzählt, schön aufgelockert mit Beschreibunge Venedigs und besonderen Orten und wie immer bei ihm auch etwas lehrreich!

Meike Werkmeister, Über dem Meer tanzt das Licht 

Goldmann TB

 

Eine romantische Geschichte-  Maria führt ihr Café mit Erfolg, aber wenig Geld. Die ältere Tochte fängt an zu pubertieren, was nicht immer einfach ist. Hannah, die kleine, ist erst ein Jahr .Sie wird von ihrem Vater Simon auf einen längeren Urlaub mitgenommen . Er sagt, er brauche Zeit für sich und will sich eine Weile alleine um Hannah kümmern. 

Maria tut sich schwerer damit als gedacht. Sowohl Simon  als auch sie sind freiheitsliebende Typen- aber was ist das nun, das Ende ihrer Liebe?

Zuhause auf Norderney geht das Leben weiter. Maria hat Geldprobleme, ein Loch ist im Dach des Cafés, dann muss sie noch entscheiden , ob sie das leerstehende Haus ihrer Mutter verkaufen soll. Sie fängt an, es auszuräumen und findet die alten Tagebücher ihrer Mutter, die an sie adressiert sind. Vielleicht steht darin endlich, wer ihr Vater war?

 

Das ist der übrigens der Folgeband von:Sterne sieht man nur im Dunkeln

 

 

John Ironmonger, Der Wal und das Ende der Welt

Fischer TB

 

Absolut fesselnd!

Ein junger Mann liegt morgens am Strand von St. Piran, angespült vom Meer. Er überlebt- und sowohl sein Leben als auch das der Dorfbewohner ändert sich. Sogar die ganze Welt ändert sich.

Joe arbeitete als Analyst in der Aktienbranche und er hat ein Computerprogramm entwickelt, mit dem sich einige Wochen in die Zukunft schauen lässt- es sieht Zusammenhänge.

Joe hat gesehen, das es einen großen Crash gibt, das alles zusammenbricht und davor ist er weggelaufen.

In St. Piran weiss man nichts von solchen Dingen- aber er trifft dort auf gutherzige Menschen, die ihn sofort aufnehmen. Bald ist er fast einer von ihnen. Als sich die Katastrophe nähert, beschließt er, den Menschen dort zu helfen. Eine riesige Grippewelle ist ausgebrochen, die Wirtschaftssystem kollabiert, es gibt kein Öl mehr, keinen Strom.

Joe hat einen Plan, den er entschlossen durchzieht - und  er gelingt! Der Wal spielt immer wieder eine Rolle in der Geschichte, es geht eine große Faszination von ihm aus. 

 

Das Thema ist momentan sehr aktuell. Es könnte jederzeit so passieren. Schön am Buch ist, dass es Mut macht, dass die Menschlichkeit und das einander helfen immer mehr wachsen!

 

Frida Skybäck, Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse

Insel TB

 

Ein unterhaltsamer 500 Seiten Schmöker mit allem, was dazu gehört: Freundschaften, Geheimnisse, Liebe, Schicksalschläge...

Charlotte erbt ein Haus mit Buchhandlung von ihrer Tante in London. Sie kannte sich überhaupt nicht und fliegt unwillig von Schweden nach England, um die Immobilie möglichst schnell zu veräußern. Aber alles kommt anders. Sie lernt die kleine Buchhandlung mit den zwei Mitarbeiterinnen lieben und kämpft um die Existenz des Ladens, der finanziell nicht gut dasteht. Und dann gibt es noch William, den etwas glücklosen Autor, der auch im Haus lebt. Nach und nach erfährt Charlotte mehr über die Vergangenheit ihrer Mutter und die Rolle , die ihre Tante Sara darin spielte. 

Charlotte kommt endlich aus ihrem Schneckenhaus heraus, in das sie sich nach einem Schicksalsschölag zurückgezogen hat und beginnt ein neues Leben.

Simon Beckett, Die ewigen Toten

rororo TB

 

Sehr spannend! 

Forensiker David Hunter wird in ein altes Krankenhaus gerufen, das auf den Abbruch wartet. Auf dem Dachboden wurde die Leiche einer jungen Frau gefunden, die dort wohl schon lange liegt. Das Gebäude ist sehr baufällig und bei der Bergung bricht der Boden und gibt den Blick frei auf ein notdürftig eingerichtetes Krankenzimmer, das zugemauert wurde. Und es ist nicht leer. Wer wusste davon? Der Abrissunternehmer? Die merkwürdige alte Frau, die in der Nachbarschaft wohnt? Der Fall gestaltet sich wesentlich komplizierter, als ursprünglich angenommen und es geht um Leben und Tod- auch bei Hunter. Sehr spannend erzählt, vor allem wenn man Freude an forensischen Untersuchungen hat, kommt man wieder auf seine Kosten.

Delphine de Vigan, Dankbarkeiten

Dumont Verlag

 

Es geht nicht mehr zuhause- Michka muss ins Heim. Marie, eine junge Frau, kümmert sich auch weiterhin um sie . Früher war  es umgekehrt, da hat Michka auf Marie aufgepasst, weil deren Mutter depressiv war.

Michka träumt sehr viel, meistens nichts Gutes, Szenen aus ihrer jüdischen Kindheit, als sie versteckt wurde und große Angst hatte. Außerdem verliert sie immer mehr Wörter, was ihr sehr bewusst ist. Sie ersetzt sie durch andere, was oft sehr komisch ist. Aber Michka verliert nie ihre Würde. Sie befreundet sich mit dem jungen Logopäden im Heim, der ihr helfen soll, die Wörter zu behalten. Eine Weile funktioniert das, aber allen ist klar, dass der Abschied von Michka begonnen hat.

Ein sehr liebevolles Buch- voller Dankbarkeiten, wie es der Titel schon sagt.

Gabriel Katz, Der Klavierspieler vom Gare du Nord

S. Fischer Verlag

 

Gestern angefangen, soeben ausgelesen und mit einem Seufzer geschlossen. Schade, schon zu Ende...

 

Pierre, ein Professor des Konservatoriums Paris hört zufällig Mathieu an einem öffentlichen Klavier spielen am Bahnhof Gare du Nord. Er erkennt das Talent des jungen Mannes und tut alles, um ihn zu fördern. Mathieu muss Sozialstunden ableisten, weil er auf die schiefe Bahn geraten ist und der Professor arrangiert, dass er diese im Konservatorium abarbeitet. Mathieu ist intelligent, besitzt das absolute Gehör, ist aber bockig, respektlos und sehr anstrengend. Doch er liebt die Musik und ergreift seine Chance. Als der Professor ihn zu einem Wettbewerb anmeldet, bedeutet das sehr harte Arbeit. Es gibt Konkurrenten, die den Jungen aus dem Ghetto loswerden wollen. Mathieu ist kurz vorm Aufgeben, da....

aber lieber selber lesen, es lohnt sich absolut!

 

Wunderbar, wie der Autor immer abwechselnd den gebildeten Professor sprechen lässt, dann Mathieu mit seiner etwas gewöhnungsbedürftigen Ausdrucksweise. 

Arno Strobel, Offline

Fischer TB

 

Die kleine Gruppe die sich am Watzmann trifft und zu einem abgelegenen Hotel hochmarschiert, will einige Tage Offline sein. Das heisst, alle geben ihre Smartphones vorher ab, das Hotel hat kein Netz, sie sind praktisch unerreichbar. Das Hotel wird momentan grundrenoviert, nur einige Zimmer sind bewohnbar, es gibt auch kein Personal außer zwei Hausmeistern. Es ist ein Experiment- sowohl für den Reiseveranstalter, der damit etwas Neues anbietet, als auch für die Beteiligten. Und dann geht alles gründlich schief. Gleich in der ersten Nacht passiert Thomas etwas Schreckliches...in der zweiten Nacht verschwindet eine Frau...Was ist da los? Ist es einer von ihnen- oder gibt es doch einen fremden Täter im Hotel, der sich verborgen hält? Sie können nicht weg, es schneit ununterbrochen, der Schnee geht schon übers Fenstersbrett.Das Misstrauen aufeinander wächst, die Nerven liegen blank und es kommt zu Grüppchenbildung, auch zu Angriffen. 

Laetitia Colombani, Das Haus der Frauen

S. Fischer Verlag

 

Viele haben sicher  "Der Zopf" von dieser Autorin gelesen und waren begeistert. Auch der neue Roman ist wieder etwas Besonderes.

Solene ist eine sehr gute Anwältin, merkt aber nicht, wie nahe sie am Rande eines Burnouts ist.Nach einem Zusammenbruch wird ihr empfohlen, sich eine ehrenamtliche Tätigkeit zu suchen. Sie hat große Berührungsängste mit Elend, trotzdem meldet sie sich als "Öffentliche Schreiberin" für ein Frauenhaus. Einmal die Woche sitzt sie nun im Aufenthaltsraum des Palasts der Frauen in Paris und wartet darauf, dass ihre Dienste gefragt werden. Es ist ein zäher Anfang, aber dann kommen die ersten Frauen auf sie zu. Manchmal mit skurrilen Wünschen, oft mit sehr traurigen. Solene erfährt viel über die einzelnen Schicksale und sie verändert sich selbst. Ihre harte Schale springt auf, sie wird weicher, kann Gefühle zeigen. Sie hilft den Frauen mit behördlicher Korrespondenz oder auch Briefen an ihre Kinder . Und die bunt zusammengewürfelten Frauen in diesem großen Haus helfen ihr.

Dazwischen liest man immer wieder ein Kapitel über die Geschichte des Hauses- den Palast der Frauen. Und über Blanche Peyron  die lange Jahre mit ihrem Mann in der Heilsarmee tätig war. Durch ihren großen Einsatz wurde diese Unterkunft für Frauen in Not erst möglich. Das heruntergekommene Gebäude mit 743 Zimmern auf fünf Etagen verschlingt Unmengen an Geld bei der Renovierung. Aber sie schaffen es: 1926 wird das Haus für die Frauen geöffnet.

Gerd Friederich, Fräulein Lehrerin

Silberburg Verlag

 

Die 540 Seiten stecken voller Informationen, wie es kurz vor der Jahrhundertwende in unseren Dörfern, an unseren Schulen zugegangen ist.

Sophie wollte schon immer Lehrerin werden und da auch ihr Vater Lehrer ist und eine weltoffene Sicht hat, bekommt die junge Frau die Möglichkeit, das kurz zuvor gegründete Lehrerinnenseminar zu besuchen. Eine harte Schule, aber Sophie beißt sich durch. An ihrer ersten Stelle wird alles noch viel schlimmer- sie wird unterm zugigen Dach untergebracht, es schneit sogar herein. Die Frau des Schulleiters weigert sich, für sie mitzukochen und sie ist vollkommen isoliert. Keiner der Kollegen spricht mit ihr- Frauen gelten als nicht belastbar und ungeeignet für den Schuldienst. Dabei haben sie genau die gleiche Ausbildung, sind meist fleissiger, werden aber aus Angst vor Konkurrenz von den Männern geächtet. 

Bei den Kindern und Eltern kommt Sophie dagegen sehr gut an, sie verteilt keine Schläge und Tatzen wie damals üblich. Mit Geduld und der Hilfe einiger Wohlgesonnener geht Sophie ihren Weg und bewegt vieles bei den Frauen. Auch Gustav Wagner, ein Fotograf, ist ihr ein treuer Weggefährte. Den Lehrerinnen war es seinerzeit verboten zu heiraten und die junge Frau steht auch vor der Entscheidung : Beruf oder Familie.

 

Amy Stewart, Die unvergleichliche Miss Kopp und ihre Schwestern

Insel TB

 

Die Schwestern Constance, Norma und Fleurette leben alleine auf einer Farm - was an sich schon fast ein Skandal ist. Constance erzählt die Geschichte, sie ist die Älteste in dem Trio und wohl auch die Mutigste. Nach einem unliebsamen Zusammenstoß mit einem ekelhaften Fabrikantensohn gibt es einen Kampf zwischen David und Goliath. Der reiche Fabrikant hat mit seinem Automobil die Kutsche der Damen zum Umstürzen gebracht und ruiniert. Constance schreibt ihm eine Rechnung über den entstandenen Schaden.Henry Kaufmann ist ein übler Bursche und bedroht die Schwestern daraufhin über Monate. Es gibt wilde Schießereien und mehr.  Doch sie lassen sich nicht einschüchtern. 

Weiterhin gibt es eine junge Frau, die ihr Kind sucht und einen Sheriff, der die Intelligenz von Constance sehr zu schätzen weiss.

Das Buch ist ungewöhnlich, die Charaktere amüsant und man hat das Gefühl, in eine Wildwestkomödie geraten zu sein.

 

Kent Haruf, Abendrot

Diogenes Verlag

 

Und die Geschichte der Bewohner von Holt- der fiktiven Kleinstadt in Colorado- geht weiter.

Raymond, einer der alten kauzigen Männer, muss die Ranch nun alleine bewirtschaften und kommt oft ans Ende seiner Kräfte. Victoria ist mit ihrer Tochter inzwischen in die Stadt gezogen um dort ihren highschool Abschluss zu machen. Aber er findet einen Weg aus der Einsamkeit.

 

Hauptsächlich geht es diesmal um Betty und Luther, zwei Solzialhilfeempfänger mit ihren beiden Kindern. Ihnen allen geht es nicht gut, es passieren schlimme Dinge.

Es ist ein steter Kampf mit Hinfallen, wieder aufstehen und irgendwie weiter machen. Dieses Buch ist um einiges trauriger als das Lied der Weite, aber auch nicht ohne  Hoffnung. Wieder sehr berührend.

Kent Haruf, Lied der Weite

Diogenes TB

 

Ein wunderbarer Erzähler! Man lebt mit diesen Personen, freut sich, leidet und würde sie gerne wirklich kennenlernen.

 

Eine Kleinstadt in Colorado. Victoria ist 17, noch auf der Schule und schwanger. Die Mutter sperrt die Tür ab und lässt sie nicht mehr rein, aber das Mädchen kommt kurzzeitig bei ihrer Lehrerin unter. Und dann hat diese- Maggie- die sehr gute Idee, zwei alte Brüder draußen vor der Stadt zu fragen, ob Victoria bei ihnen einziehen kann. Die McPherons haben ihr ganzes Leben zusammen verbracht, sind einfache Viehzüchter und herzensgut. Anfänglich müssen sie sich erst aneinander gewöhnen, sie sprechen beispielsweise so gut wie nicht und müssen lernen, dass man auch ab und an kommunizieren sollte. 

Dann gibt es noch Guthrie,einen Lehrerkollegen von Maggie. Seine Frau verlässt ihn und die beiden Söhne Ike und Bobby sind viel alleine und auf sich gestellt. 

Guthrie hat zudem Schwierigkeiten in der Schule mit einem renitenten Schüler und dessen Eltern.

Egal, von wem Haruf gerade erzählt, man ist ganz dicht dabei, sieht die endlose Weite der Viehweiden oder die Jungs, wie sie umherstreifen. Die Güte und Verschrobenheit der alten Männer ist zu spüren und die Ensamkeit von Guthrie.

 

 

Kent Haruf hat sechs Romane geschrieben und alle spielen in dieser fiktiven Kleinstadt. Leider starb er 2014.

 

Miika Nousiainen, Die Wurzel alles Guten

Goldmann TB

 

Sollten Sie einen Zahnarzt in Ihrem Freundeskreis haben, der seinen Beruf sehr liebt, dann ist dieses Buch genau das Richtige für ihn!

 

Es beginnt ihn Finnland als Pekka einen Zahnarzt aufsucht, der ihm selbst ziemlich ähnlich sieht. Es stellt sich heraus, dass er sein Halbbruder ist. Anfänglich ist dieser Esko mehr als reserviert, er lebt nur für seinen Beruf, kennt die Welt eigentlich gar nicht und will nichts wissen von Familie. Aber das ändert sich. Die beiden gehen sogar auf eine lange Reise auf der Suche nach ihrem Vater. Der hat eindeutig ein sehr bewegtes Leben geführt..Und sie lernen noch mehr Halbgeschwister kennen , entdecken Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten. Alle sind dankbar, nun endlich so etwas wie Wurzeln zu haben.

Die Geschichte ist ein kleines Märchen, humorvoll, lebensbejahend und mit Happy End. Und zwischendurch kommt immer mal was mit Zähnen- sehr hübsch zu lesen!

Astrid Göpfrich, Herr Fliegenbein und die Suche nach der Stille

Pendo Verlag

 

Herr Fliegenbein ist ein absoluter Einzelgänger, überempfindlich was Geräusche betrifft. Auf einer Baustelle kauft er einem Bauarbeiter sogar die dicken Ohrenschützer ab und läuft fortan damit herum. Bei der Arbeit pflegt er keinerlei Kontakte und er ist, wie er meint, gewollt einsam . Eines Tages passiert etwas in seinem Haus, das ihn zwingt weg zu gehen und sein Leben verändert sich . Es wird zu einer Art Road Movie. Verrückt, durch Zufälle ständig verändert und es passieren unglaubliche Dinge. Begleitet wird er von einem kleinen Jungen, der ihm treu zur Seite steht und selber ein Geheimnis ist. Fliegenbein kommt plötzlich rum in der Welt bei seiner Suche nach der Stille, die nicht sehr erfolgreich ist anfänglich. Aber der Kreis schließt sich irgendwann und alles wird gut. 

Axel Hacke, Wozu wir da sind

Kunstmann Verlag

 

Walter Wemut schreibt Nachrufe für eine Zeitung, meistens sehr ungewöhnliche Nachrufe. Nun wird er gebeten zum 80. Geburtstag einer Freundin "nur ein paar Worte" zu sagen und er kommt darüber heftig ins Grübeln. Was ist ein gelungenes Leben fragt er sich. Und er kommt vom Hundertsten ins Tausendste beim Denken und Formulieren. Vielerlei kurze Erlebnisse, alles aneinandergereiht, scheinbar ohne Plan. Wemut redet einfach so vor sich hin und das auf höchst amüsante Weise. Es ist ein Vergnügen, seinen Gedankengängen zu folgen . Er schildert Begegnungen mit Mitmenschen oder solche die ihm erzählt wurden, er greift in die Literaturkiste und zitiert daraus- es ist ein wildes Durcheinander.Und gerade deshalb temporeich und flüssig zu lesen.

Guntrun Müller-Enßlin, Wenn der Mond erzählen könnte

dtv

 

Vicky fährt nach Südtirol an den Ort, wo sie als Jugendliche mit ihren Eltern und dem geliebten Opa Ferien gemacht hat. Damals erschien er ihr wie das Ende der Welt. Wenn da nicht der Sohn der Pensionswirtin gewesen wäre...

Vicky war seither nie mehr dort, denn es gibt ein Geheimnis, an das niemand 25 Jahre lang gerührt hat. Sie schleppt es schon sehr lange mit sich herum und nun ist die Zeit gekommen., die alten Verkrustungen aufzubrechen. 

Das Buch pendelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, immer wieder wird ein Stückchen aus dem Jahr 1989 preisgegeben. Es mutet einen fast ein wenig altmodisch an,ist aber sehr glaubwürdig. Eine spannende und gefühlvolle Erzählung, die zum Nachdenken und auch Diskutieren einlädt.

Kai Weyand, Die Entdeckung der Fliehkraft

Wallstein Verlag

 

Was für ein wunderschönes Buch!

Karl hat ein schönes , ausgefülltes Leben. Er ist Lehrer für Deutsch in einem Gefängnis und soll den Häftlingen zum Hauptschulabschluss helfen. Zudem hat er eine Frau und einen Sohn. Und seinen alten Vater besucht er oft im Pflegeheim. 

Aber Karl fühlt eine Leere in sich, er macht sich ständig viele Gedanken- über Wörter , Grammatik, Fahrrräder, Trampoline - über Dinge, die niemand so richtig versteht. Aus einer Laune heraus beginnt er einen SMS Kontakt mit Karoline, die er nur einmal im Leben gesehen hat. Und dann verliebt er sich in sie und in diese Worte und Sätze die hin und hergehen und die auch wunderschön sind.

Ab und an steigt er auf einen Kirchturm und lässt von dort oben Paperflieger fliegen, auf die er Antworten geschrieben hat. Die Fragen dazu hat er vorher seinen Schülern im Knast gestellt und es ist oft sehr überraschend, was da so geschrieben steht.

 

Ein wunderbar tief gehendes Buch mit schönen Gedanken, lustig, ergreifend, zärtlich und nachdenklich machend. Voller Philosophie. Unbedingt lesenswert!

 

 

Jan Weiler, Kühn hat Hunger

Piper Verlag

 

Kommissar Kühn hat wirklich Hunger und zwar das ganze Buch über. Und seine Laune ist alles andere als gut. Das liegt aber auch am Kollegen Steierer, der ständig gegen ihn intrigiert beim Chef. Dazu noch seine Frau Susanne, die sich immer noch sehr gleichgültig zeigt. Kurz- Kühn steckt fest in einer ziemlich großen Krise und die Radikaldiät, die er macht ist wirklich furchtbar.

Und dann gibt es natürlich auch einen Fall zu lösen. Wer hat das junge Mädchen auf der Baustelle entsorgt? Der Leser weiß es sehr bald, da ein Teil des Buches aus der Sicht der Täter geschrieben ist. 

Ich fand den neuen Band nicht ganz so spannend wie die letzten beiden, etwas zu viel Männerproblem. Aber ich habe es gerne gelesen.

Karen Duve, Fräulein Nettes kurzer Sommer

Galiani Verlag

 

Ein kleiner Einblick in die Jugend von Anette von Droste- Hülshoff, in die letzten Jahre der Romantik. 

Es ist anfänglich ein wenig ermüdend, über die Rituale der Göttinger Poeten zu lesen, aber spätestens wenn Nette auftritt, wird es interessant. Sie ist anders, nicht so häuslich und bescheiden. Nette macht den Mund auf, diskutiert, schreibt mit Begeisterung und sie widerspricht Männern! Dabei gibt es zwei in dem fortlaufenden Reigen der Besuche und besucht werden, die es ihr angetan haben. Der junge Straube und Arnswaldt. Allerdings erfüllen sich Nettes Hoffnungen nicht, ihr wird sogar übel mitgespielt.

Wir lernen im Buch die Gebrüder Grimm näher kennen, auch Hoffmann von Fallersleben und später den junge Heinrich Heine. Vom Adel finanziert schlagen sich viele Poeten so eben durch. 

Ein spannender Einblick in eine alte Welt, nicht unanstrengend zu lesen durch die vielen verwandtschaftlichen Beziehungen- hier ist der Stammbaum vorne im Buch hilfreich. Aber wunderbar geschrieben und oft sehr amüsant.

Yewande Omotose, Die Frau von nebenan

Ullstein TB

 

Eine unterhaltsame, ironische, aber auch kritische Geschichte aus Kapstadt. 

In einem Wohnviertel für gut situierte wohnen Hortensia und Marion dirket nebeneinander. Beide schon ältere Frauen, mit interessantem Hintergrund. Sie haben es weit gebracht im Berufsleben, im Privaten allerdings nicht.

Hortensia ist schwarz und Marion weiß. Jede  kämpft für ihre Überzeugung bis zur Sturheit und sie können sich nicht leiden. Und doch kommt eine Zeit, in der sie aufeinander angewiesen sind und Marion zieht für eine Weile zu Hortensia ins Haus. Sie gehen sich aus dem Weg - was nicht immer klappt und dann geht es meist heftig zur Sache! Sie streiten und greifen sich an,es gibt keine sanften Beschönigungen . Und das ist tatsächlich sehr amüsant zu lesen! So langsam bröckeln die Fassaden und darunter kommen verletzliche Frauen zum Vorschein, die sich gar nicht unähnlich sind. 

Johan Bargum, Nachsommer

DUMONT

 

Ein sehr kleines Büchlein, aber mit viel Inhalt.

Olof erzählt vom Aufeinandertreffen mit seinem jüngeren Bruder Carl am Sterbebett der Mutter. Sie verbringen einige Tage dort im Elternhaus in den finnischen Schären. 

Alte Konflikte brechen auf, es wird viel erzählt aus Kindertagen, von Ungerechitigkeiten, von der Eifersucht Olofs auf den Freund der Mutter, vom dominanten Carl, dem Liebling der Mutter. All diese Konflikte sind immer noch da, stören die spätsommerliche Idylle. Ein melancholisches Buch, manchmal aber auch sehr witzig.

Isabel Bogdan, Laufen

Kiepenheuer&Witsch

 

Wahrscheinlich kennt so ziemlich jeder das vorherige Buch von Bogdan:Der Pfau. Absolut genial und deswegen war ich auch sehr gespannt auf dieses neue.

Es ist gut, sehr gut, aber gänzlich anders. Wer wieder eine heitere Erzählung erwartet hat wird vielleicht enttäuscht- obwohl, es hat auch amüsante Stellen.

 

Erzählt wird die Geschichte einer Frau, die vor gut einem Jahr ihren Lebenspartner verloren hat . Sie beginnt zu joggen, erst sehr kurze Strecken, dann mehr und beim Laufen macht sie sich Gedanken. Gedanken über ihre Beziehung, über sich, über Freunde, ihren Orchesterberuf über Sinn des Durchhaltens, über Suizid. Sie schwankt zwischen Trauer, Verzweiflung, Wut. Der Leser spürt, dass alles mit der Zeit besser wird, nach einem weiteren Jahr ist sie bereit "den Friesennerz abzulegen, der sie eingeengt hat wie eine Mauer". Sie wendet sich wieder dem Leben zu, kauft sich ein rotes Kleid.

 

Ein Buch, das einen nicht unberührt lässt, für Betroffene viele wahre Worte und für die Mitmenschen eine Anregung, wie man mit Trauernden umgehen kann und was man besser nicht sagt.

Karsten Dusse, Achtsam morden

Heyne TB

 

Was ist das jetzt? Eine Satire? Ein Achtsamkeitratgeber? Oder doch ein sehr origineller,aus dem Rahmen fallender Krimi? In erster Linie Krimi, aber so was habe ich noch nie gelesen, ich musste mich erst einmal damit anfreunden.

 

Björn ist ein guter Strafverteidiger, der einmal das Recht vertreten wollte. In seiner Kanzlei ist er allerdings für die größten Gauner zuständig. Darüber vergisst er Frau und vor allem sein Kind. Seine Gattin schickt ihn zu einem Achtsamkeitstrainer. Widerwillig geht er hin und findet dort zu seiner Überraschung ein neues Leben. Allerdings fußt dieses nicht auf unseren Gesetzen- innerhalb weniger Tage wird Björn zum mehrfachen Mörder. Er geht das sehr achtsam an und diese Schilderungen sind nicht nicht gerade zimperlich. Durch den skurrilen Humor des Autors liest sich der Roman sehr gut, man ist gespannt, wie der intelligente Björn Lösungen herbeiführt. 

Kressmann Taylor, Adressat unbekannt

Atlantik Verlag

 

Da veröffentlicht eine Werbetexterin 1938 in einer New Yorker Zeitschrift den fiktiven Briefwechsel zwischen einem Juden in Amerika und einem Deutschen, der nach Deutschland zurückkehrt. Und es wird ein Riesenerfolg!

Die beiden haben zusammen eine sehr erfolgreiche Galerie, aber Martin zieht es wieder zurück nach Deutschland- wie er meinte in ein liberales Land. Sehr schnell verändern sich die Verhältnisse und leider auch Martin- er wird ein überzeugter Nazi, der bald nichts mehr mit dem jüdischen Freund zu tun haben will. Und der auch Schuld auf sich lädt. Aber Max versteht es, sich zu wehren.

Es ist nur eine winzige Geschichte, ein kleines Büchlein, aber jedes Wort sitzt und hinterlässt Eindruck!

Sehr lesenwert auch das Nachwort von Elke Heidenreich am Ende des Buches.

Simon Van Booy, Mit jedem Jahr

Insel Verlag

 

Jason hatte bisher kein sonderliches Glück im Leben, das meiste war selbstverschuldet. Vorbestraft, kein Job, kein Geld. Da steht eines Tages eine Dame vom Jugendamt bei ihm in der Tür , an der Hand seine Nichte Harvey, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Sie hat sonst niemanden mehr. Und siehe da- eine erstaunliche Freundschaft und Verwandlung beginnt.Harveys unvoreingenommenes Zutrauen bringt das Beste in Jason zum Vorschein. Er lernt Verantwortung, kümmert sich liebevoll, erzieht das kleine Mädchen und sie erzieht ihn gleichermaßen. Er beschließt für sie zu leben und ändert vieles. Sogar zum Elternabend geht er und erfährt dort, das Harvey in den höchsten Tönen von ihrem Dad schwärmt. Sogar kochen könne er wunderbar- nur das Hähnchen sei immer zu trocken.

Ein wirklich schönes Buch!

Stefanie Höfler, Tanz der Tiefseequalle

Gulliver TB

 

Eine ganz zauberhafte wunderschöne Geschichte, teilweise traurig, aber auch mutig und kraftvoll!

Seri ist ein sehr hübsches Mädchen,  beliebt in ihrer Klasse. Und dann gibt es Niko, unglücklich gefangen in einem sehr dicken Körper, schon immer die Zielscheibe für Spott und Hohn. Stoisch erträgt er alles. Auf einer Klassenfahrt bekommt er mit, wie sein Oberpeiniger Seri begrabscht und diese sich wehrt. Er greift ein und ab da wird vieles anders. Seri stellt fest, dass Niko witzig ist, intelligent und zudem wunderschöne grüne Augen hat. Aber kann man sich in einen so fetten Jungen verlieben und dazu stehen? Auch Niko ist total durcheinander. Er schleppt unglückliche Jahre mit sich und hat sich daher einen Panzer zugelegt.

Das Buch ist sehr sensibel geschrieben, weckt Verständnis für anders sein und macht Mut, hinter Fassaden zu schauen..

Ein Jugendbuch ab 12 Jahre- ich würde es jedem Lehrer als Schullektüre empfehlen!

Jess Jochimsen, Abschlussball

dtv

 

Marten ist nicht ganz von dieser Welt, irgendwie passt er einfach nirgends richtig hin. Zudem ist er kränklich und hat öfter Zusammenbrüche. In der Familie stimmt es auch nicht und als sein Großvater stirbt, fühlt er sich sehr allein.

Sobald es geht zieht er von zu Hause aus. Was er mit seinem Leben anfangen will, weiß er immer noch nicht so recht, fühlt sich aber dann recht wohl als Angestellter in der Katalogabteilung der Staatsbibliothek. Dann geht auch das wieder schief. Was kann er ? Trompete spielen- und das macht er dann zum Beruf  - fortan ist er Beerdigungstrompeter auf dem Nordfriedhof in München. Er lernt noch andere Musiker kennen und der Leser erfährt einiges über skurrile Musikwünsche, Gebräuche und auch über die "Abschlussbälle" des Bestatters, bei dem er angestellt ist.  Eine eigene kleine Welt, die sehr interessant ist. Und dann erhält er anscheinend Botschaften aus dem Jenseits und ist mit der Aufklärung dieser geheimnisvollen Nachrichten beschäftigt...

Nell Leyshon, Der Wald

Eisele Verlag

 

Nachdem ich von "Die Farbe der Milch" von derselben Autorin so begeistert war, habe ich auch dieses Buch hier gelesen.

Pawel ist ein kleiner Junge in Warschau und sehr mutterfixiert. Der Vater ist im Widerstand aktiv, er kann nicht viel anfangen mit dem seiner Ansicht nach verweichlichten Jungen. Eines Nachts bringt er einen englischen Kampfpiloten, der abgestürzt und verwundet ist, ins Haus und bringt damit die ganze Famile in Gefahr.Die Nazis verschleppen die Großmutter, die Ärztin ist, der Vater ist auch verschollen und Pawel muss mit seiner Mutter in eine einsame Waldhütte fliehen. Dort bleiben sie drei Monate, versorgt von einer alten Frau in der Nachbarschaft. 

Dann macht die Geschichte einen Sprung nach England. Pawel heisst nun Paul, ist erwachsen und ein Künstler . Seine Mutter Sofia lebt auch in der Nähe, das Verhältnis ist immer noch eng. Aber kann Sofia akzeptieren, dass ihr Sohn so ganz anders ist?

Diesen letzten Teil fand ich sehr berührend geschildert.

Vea Kaiser, Rückwärtswalzer

Kiepenheuer & Witsch Verlag

 

Sehr unterhaltsam! 

Es geht um Lorenz, der etwas planlos durchs Leben geht und um seine drei Tanten- Schwestern, die wie Pech und Schwefel zusammenhängen, aber auch ständig streiten. Und es geht um Onkel Willi, den langjährigen Lebensgefährten von Hedi. Willi stirbt und sein größter Wunsch war, in der alten Heimat Montenegro beerdigt zu werden. Aber woher das viele Geld für die Überführung nehmen? Unerschrocken wie stets schmieden die Schwestern den Plan, dass sie Willi im Auto dorthin bringen- Lorenz soll fahren und sie sind auch mit dabei. Unterwegs passieren die seltsamsten Dinge. Und zwischendurch erfährt man die Lebensgeschichten der drei Frauen, was nicht minder interessant ist. Ein wunderbares Buch, herzerwärmend, komisch und leicht verrückt. 

Franziska Muri, Selbstfürsorge

Integral Verlag

 

Dieses Buch habe ich doch tatsächlich gewonnen !

"Ratgeber" für eine bessere Balance im Leben gibt es zuhauf, aber es schadet gewiss nicht, sich immer mal wieder mit dem Thema zu beschäftigen.

"Selbstfürsorge" hat mir sehr gut gefallen, es ist mit Wärme geschrieben . Man merkt der Autorin an, dass sie viel aus dem eigenen Erleben schreibt, dass ihr das Thema am Herzen liegt.

Besonders schön fand ich ihre Ausführungen über die wohltuende Wirkung des Alleinseins, das Für-Sich sein. Mal ganz weg von den Medien. Nicht ganz dazu passt an anderer Stelle der Tipp, sich eine App herunterzuladen, in die man Aktivitäten und Ruhephasen eintragen kann, auch zur Erinnerung. Ein kleines Notizbuch täte es da sicher auch. 

Aber insgesamt ein schönes, motivierendes Buch!

Daniela Krien, Die Liebe im Ernstfall 

Diogenes

 

Fünf Frauen und Einblicke in ihr Leben.

Es beginnt mit Paula, die meint, eine glückliche Ehe zu führen. Der Tod eines ihrer Kinder ändert alles.

Judith, eine Ärztin ist erfolgreich, aber einsam. Stets auf der Suche nach dem perfekten Mann- aber es funktioniert einfach nicht.

Brida hat Talent als Schriftstlellerin- aber seit den Kindern kommt sie einfach nicht mehr zum Schreiben, ständig wird sie unterbrochen. Und der Mann ist auch keine Hilfe. Früher war er mit Malika zusammen, bis Brida ihn ihr ausgespannt hat. Malika war ein großes Geigentalent,jetzt ist sie "nur nochGeigenlehrerin". Ihre glamourösen Eltern haben ihr das nie verziehen. überhaupt hat sie große Probleme mit ihrer Vergangenheit und damit, keine Kinder zuhaben. Vielleicht hat ihre Schwester Jorinde die Lösung?

Alle fünf Frauen sind miteinander verknüpft, jede kämpft um Freiheit,um Liebe.

 

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, jede der fünf Persönlichkeiten ist interessant, regt zum Nachdenken an. Es hätte dem Buch aber auch nicht geschadet, wenn die Sexszenen weniger gewesen wären.

Bart Van Es, Das Mädchen mit dem Poesiealbum

DUMONT

 

Ein berührender und interessanter Einblick in die niederländische Geschichte während der Besetzung.

Viele Menschen verstecken Juden, oft auch die jüdischen Kinder der Widerständler, und leben so in großer Gefahr. Auch die achtjährige Lien muss ihre Familie verlassen und lebt jahrelang in wechselnden Verstecken. Am längsten bei Familie van Es. Bart van Es , der Verfasser des Buches, ist der Enkel der damaligen Pflegeeltern. Seltsamerweise wurde nie über Lien gesprochen- er macht sich auf Spurensuche und findet auch viele Dinge über seine eigene Familie mit denen er sich auseinandersetzen muss. Und er begegnet Lien und freundet sich mit ihr an. 

Lien war viele Jahre traumatisiert, sie spürt sich nicht, war innerlich total isoliert, hat sämtliche Gefühle weggesperrt, um irgendwie zu überleben.

 

Ein versöhnliches Buch, voller Mitgefühl, das auch die dunklen Seiten nicht ausspart.

 

Nell Leyshon, Die Farbe von Milch

Heyne TB

 

Ganz toll! Lohnt sich unbedingt zu lesen! 

Es ist die Geschichte von Mary, die im Jahre 1831 niederschreibt, wie ihr Leben auf der elterlichen Farm verlaufen ist. Vom Vater, der seine Töchte schlägt und die sehr viel arbeiten müssen. Wie er dann Mary "verkauft" ans Pfarrhaus, damit sie sich dort um die kranke Pfarrersgattin kümmert. 

Im Pfarrhaus lernt sie eine neue Welt kennen. Mary ist nicht dumm, sogar blitzgescheit und nicht auf den Mund gefallen. Sogar lesen und schreiben lernt sie . Sie fühlt sich mit der Zeit recht wohl dort. Aber dann stirbt die Frau des Pfarrers und Marys Leben nimmt eine neue Wendung.

Die Sprache ist ganz einfach in diesem Buch, unverblümt und ehrlich. Mary verstellt sich nie, sagt immer was sie denkt. Und das bringt sie auch öfter in Schwierigkeiten.

Überraschend ist das Ende, das einen tief aufseufzen lässt.

 

Lisa Genova, Im Traum höre ich dich spielen

Lübbe Verlag

 

Der Name der Autorin ist vielleicht einigen bekannt vom Buch "Still Alice" und dem Film über eine frühe Form der Demenz.

Diesesmal hat sie über ALS geschrieben , eine unheilbare Nervenkrankheit. Richard, gerade mal etwas über 40 bekommt diese Diagnose- er ist Konzertpianist und eine Welt bricht für ihn zusammen, als er nicht mehr spielen kann und die Krankheit immer mehr Muskeln in seinem Körper lähmt. Karina seine geschiedene Frau ist noch immer voller Wut auf ihn. Sie gibt ihm die Schuld für ihre nicht stattgefundene Karriere, dabei ist sie die begabtere der beiden. Alles hat sie für ihn aufgegeben und er, er hat sie betrogen die ganzen Jahre. Nun ist Richard allein und kommt nicht mehr zurecht. Und Karina nimmt ihn wieder bei sich auf.

Sie weiß anfänglich nicht, was sie sich damit aufbürdet und es wird eine sehr schwere Zeit. Aber auch Zeit für Aussöhnung und Neuanfang.

Ein zutiefst einfühlsames und ehrliches Buch. Man lernt sehr viel über den Verlauf von ALS . Lisa Genova hat sich sehr lange mit Betroffenen darüber ausgetauscht so wie sie in ihrem Nachwort schreibt.

 

J.L.Carr, Wie die Steeple Sinderby Wanderers den Pokal holten.

Dumont Verlag

 

Ein schwieriger Titel, auf den ersten Blick ein unauffälliges Buch. Ein Fußballroman- wer liest so etwas? Auf jeden Fall Menschen mit Sinn für englischen Humor und merkwürdige Begebenheiten.

 

Drei Bewohner des englischen Dorfes Sinderby haben einen Traum- sie möchten den kleinen Fußballverein ganz groß machen und den Pokal gewinnen. Und sie schaffen es! Mit sehr ungewöhnlichen Methoden.  Kein Wunder- der eine ist Doktor der Philosophie und verfolgt eine ungewöhnliche Strategie. Der andere ist ein abgebrochener Theologiestudent, der inzwischen Texte für Glückwunschkarten verfasst und dann gibt es noch den Ex- Fußballprofi, den ein Schicksalschalg in die Provinz getrieben hat. Die drei zusammen stellen Ungewöhnliches auf die Beine und der kleien Verein ist bald bekannt im ganzen Land.

Sehr amüsant, manchmal auch nachdenklich erzählt und absolut empfehlenswert!

 

Anthony Doerr, Alles Licht, das wir nicht sehen

BTB Taschenbuch

 

Dieses Buch enthält so viel- es umspannt die Jahre von 1934 bis 1945 sehr intensiv, später noch einmal die Siebziger bis fast heute. Wenn man die Übersicht vorne liest, denkt man vielleicht: sehr verwirrend, aber so ist es nicht. Die Geschichten saugen einen ein. 

Da ist Marie- Laure, 16 Jahre alt und blind. Vor vier Jahren ist sie mit ihrem Vater aus Paris geflohen, als die Deutschen die Stadt besetzt haben . Nun leben sie bei Großonkel Etienne in Saint- Malo. Der Vater tut alles für seine Tochter, er besorgt ihr Bücher in Blindenschrift, baut ein Modell der Stadt  mit kleinen Holzhäuschen nach, damit sie sich besser zurechtfindet. Eines davon birgt ein Geheimnis. Alles geht eine Weile gut, aber dann kommt der Krieg auch nach Saint-Malo.

Und es gibt Werner, einen Waisenjungen, der in Deutschland in einer Pflegefamilie aufwächst. Sein weiterer Weg scheint vorprogrammiert, er soll wie alle anderen mit sechzehn in die Kohlegrube einfahren und arbeiten. Aber er will etwas anderes tun. Seit frühester Kindheit beschäftigt er sich mit Erfindungen, mit Radios, mit Elektrik.  Dadurch wird es ihm möglich auf eine Schule zu gehen, in der die deutschen Jungmänner geformt werden. Diese Schilderungen gehen einem sehr nahe, es ist furchtbar, wie mit den Halbwüchsigen umgegangen wird, welcher Gehirnwäsche sie ausgesetzt sind. Irgendwann muss Werner hinaus in den Krieg, er soll feindliche Senderanlagen zerstören. Sein Weg führt ihn 1944 schließlich nach Saint-Malo und er begegnet Marie-Laure. 

Das Buch ist wunderbar erzählt, Gut und Böse liegen so nah beieinander, es tut weh, manches zu lesen und doch ist es auch wieder voller Hoffnung.

Werner sagt einmal zu Marie- Laure:"Du bist tapfer." Und sie entgegnet: "Als ich blind wurde,Werner, haben die Leute gesagt, ich sei tapfer.Als mein Vater verschwand, sagten sie, ich sei tapfer.Aber es ist keine Tapferkeit. Ich habe keine Wahl.Ich wache auf und lebe meine Leben. Tust du nicht das Gleiche?"

Joachim Zelter, Im Feld

Klöpfer& Meyer Verlag

 

Ein kleines dünnes Buch mit 154 Seiten. 

Roman einer Obsession steht im Untertitel. Und das ist es wirklich, was uns da erzählt wird.

Ein Rennradverein lädt ein zu einer Tour an Himmelfahrt. Abfahrt 10 Uhr in Freiburg. Der Erzähler ist neu in der Stadt, sucht eine Gruppe und fährt mit. In der sogenannten "mittleren Truppe" , also nicht zu leicht und nicht zu schwer. Es kommt anders. Die Gruppe wird angeführt vom legendären Landauer, er kennt keine Grenzen, kein Erbarmen, er fährt und fährt und fährt...und seine Bewunderer folgen ihm. Bis in die Vogesen, Berg hinauf und hinab und noch einen und noch einen. Nicht alle halten durch, aber alle sind am absoluten Ende ihrer Kräfte als sie wieder in Freiburg eintreffen. 

Sehr interessante Geschichte, sprachlich wunderbar  und nicht nur etwas für Fahrradfahrer!

Romy Fölck, Bluthaus

Lübbe Verlag

 

Spannend! Der zweite Fall von Frida Paulsen und Kollege Haverkorn. Handlungsort ist ein verlassenes Haus in der Marsch. Vor vielen Jahren passierte dort eine blutige Tragödie und nun wird erneut eine Leiche dort gefunden. Und was hatte Fridas Freundin Jo, die Privatdetektivin ist, dort zu suchen? Asl sie verdächtigt wird, verschwindet sie und Frida beginnt in der Vergangenheit zu stochern.

Liest sich sehr spannend und man meint, dieses verwunschene Haus direkt zu sehen und zu spüren...

Erling Kagge, Gehen- weiter gehen

Insel Verlag

 

Ebenso wie sein Buch "Stille" kommt auch dieser neue Band von Kagge unspektakulär daher. Aber der Inhalt ist wieder hochkarätig!

Er erzählt fast beiläufig, was Gehen für ihn bedeutet- als Bergsteiger, als Familienvater, als Berufstätiger...Dazwischen immer wieder Sätze  und Zitate von Philosophen  und anderen großen Denkern, wie sehr sie das normale Gehen beim Nachdenken beflügelt. Wie wichtig es ist, immer einen Fuß vor den anderen zu setzen. Die Bodenhaftung zu spüren, den Gedanken freien Lauf zu lassen und die Zeit intensiver wahrzunehmen. 

Judith Lennox, Das Haus der Malerin

Pendo Verlag

 

Rose erbt von ihrer Großtante ein Haus in den Wäldern von Sussex. Sie wusste weder von dessen Existenz und schon gar nicht von einer Schwester der Tante. Sie hieß Sadie, war Malerin und wohnte längere Zeit in diesem kleinen Häuschen. Rose stochert in der Vergangenheit und ist fasziniert. 

Parallel dazu lesen wir die Geschichte von Sadie aus den Dreißigerjahren, erfahren viel über ihr unstetes Leben, ihre Liebesgeschichten. Und immer wenn es gerade sehr spannend wird, dann wechselt das Buch wieder in die Gegenwart. Die nicht minder interessant ist. Um Roses' Ehe steht es nicht zum besten, auch ihr Leben befindet sich im Umbruch. Sie trifft mutige Entscheidungen und wächst an neuen Aufgaben. 

 

Ralph Caspers, Wenn Glühwürmchen morsen

Thienemann Verlag

 

Im Untertitel steht: Fantastische Geschichten- und das sind sie wirklich!

40 kurze Vorlesegeschichten von Paul, Greta und ihren Eltern, ganz wunderbar phantasievoll und verrückt! Man muss lachen beim Vorlesen und Zuhören, spinnt in Gedanken weiter an diesen Ideen und amüsiert sich sehr. Beispielsweise über die Fliegenschule von Paul, der im Keller Fliegen züchtet und sie zum Formationsfliegen ausbildet. Geht nicht?  Und wer hat da im Garten mit einem Badehandtuch abgehoben, unter dem Tausende von Fliegen ihr Bestes geben? Paul natürlich. Der Mutter bleibt vor Staunen der Mund offen stehen und dem Leser auch! 

Ein wirklich großes Vergnügen dieses Buch!

Zum Vorlesen ab ca. 5 Jahre

Andrea Hejlskov, Wir hier draussen. Eine Familie zieht in den Wald.

Mairisch Verlag

 

Diese dänische Familie wagt wirklich den Schritt, sie lösen ihren "normalen" Haushalt auf, verschenken und entmüllen und ziehen mit so gut wie gar nichts in eine kleine Holzhütte im schwedischen Wald. Mit vier Kindern kein einfaches Vorhaben. Die Mutter beschreibt sehr ehrlich von den Schwierigkeiten, die sie in ihrem neuen Leben meistern müssen. Im Sommer ist noch alles gut, aber dann kommt ein langer, nasser Herbst und dann der kalte Winter. Alle kommen an ihre Grenzen. Keine Waldromantik, sondern der tägliche Kampf- ein Stück weit geben sie auf, aber nur für kurze Zeit. 

 

Maja Lunde, Die Geschichte des Wassers

btb

 

Es gibt wie im Vorgängerbuch "Die Geschichte der Bienen" wieder verschiedene Handlungsstränge.

Signe kehrt 2017 in ihre Heimat Norwegen zurück und stellt mit Entsetzen fest, dass Unsägliches mit dem Gletscher passiert aus Profitgier. Sie beschließt, dagegen vorzugehen, in ihr steckt auch im Alter immer noch die Umweltaktivistin von früher.

Die andere Geschichte spielt in der Zukunft im Jahr 2041. Durch den Klimawandel sind weite Teile Europas dürr und die Wassernot zwingt die Menschen nach Norden zu wandern zu den "Wasserländern". Es gibt Flüchtlingscamps, in denen die Leute notdürftig versorgt werden. Zu ihnen gehören auch David  und seine Tochter Lou. Seine Frau und den Säugling haben sie unterwegs verloren und nun warten sie in einem Camp. Aber sie kommen nicht und die Lage verschlechtert sich immer mehr. Dann finden die beiden auf einem alten Gehöft ein Boot, das ihnen wieder Hoffnung gibt.

 

Ein eindringliches Buch, man möchte nicht, dass es Realität wird.  

Marc- Uwe Kling, Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat

Carlsen Verlag 

ab. ca. 6 Jahre

 

Der Titel hat mich neugierig gemacht und er hält, was er verspricht. Die Oma hat nur "klick, klick" gesagt bei einem Doppelklick und schon war's vorbei mit dem Internet. Aber nicht nur in der Familie, auch nicht nur in der Straße- nein- auf der ganzen Welt! Das hat natürlich Folgen. Der Papa kommt früher von der Arbeit, denn das Internet ist kaputt. Der Pizzabote weß nicht mehr, wohin mit den Bestellungen und es kommen auch keine neuen Aufträge. Er bleibt erstmal bei Oma und den Kindern und sie essen alle Pizzen auf. Die große Schwester kommt sogar aus ihrem Zimmer und alle zusammen machen ein Spiel.

Gar nicht so schlecht das Leben ohne Internet. Irgendwann wird es zwar wieder repariert, aber dann fragt Tiffany: Wie hast du das gemacht Oma, kannst du es nochmal machen? Und die Oma macht "klick, klick".

Marc- Uwe Kling

Die Känguru- Apokryphen

Ullstein TB

 

Das vorlaute, manchmal unverschämte und meistens lustige Känguru ist wieder da!  In diesem Taschenbuch gibt es 33 neue  Geschichten von ihm und seinem menschlichen Mitbewohner. 

Das Känguru weiß wie immer bestens Bescheid- über alles1 Egal ob Politik, Liebe oder Jesus. 

Entweder man findet die Art von schrägem Humor toll oder man legt das Buch gleich zur Seite. Mir gefällt es !

Hiltrud Baier, Helle Tage-helle Nächte

Krüger Verlag

 

Mögen Sie die Gegend um Beuren, mögen Sie Geschichten, die ans Herz gehen und zudem geheimnisvoll sind? Und vor allem- mögen Sie den Norden, Lappland genauer gesagt? 

Dann ist das genau das richtigeBuch! Ich konnte es nicht mehr zur Seite legen.

Anna lebt in Beuren und läuft seit Kindertagen fast täglich auf den Hohenneuffen. Nun ist sie krank und auf ihrer Seele lastet seit vielen Jahren ein Geheimnis. Um das in Ordnung zu bringen, bittet sie ihre Nichte Frederike,  nach Lappland zu fahren, zu dem Ort, aus dem ihre Mutter stammte. Frederike tut, um was die Tante sie bittet und ihr erschließt sich eine gänzlich neue Welt. 

Abwechselnd wird von Frederike und Anna erzählt und beide Personen sind interessant und lebendig dargestellt. Sehr gut haben mir die Schilderungen von Lappland gefallen- man meint, dort zu sein, die Berge und die Blumen zu sehen, den Wind zu spüren.

Vielleicht manchmal ein bisschen zu sehr heile Welt gegen Ende. Aber ein Roman den man mit großem Vergnügen liest und bei dem man sich ungern stören lässt.

 

Hjorth& Rosenfeldt, Die Opfer, die man bringt

Wunderlich

 

Ich bin ein Fan der Sebastian Bergman Bücher. Entweder findet man diesen Protagonisten unausstehlich oder man liest gerne über seinen zugegeben nicht sehr sympathischen Charakter.

 

Dieser sechste Fall ist wiederum sehr spannend geschrieben und zu lesen. Als eine Serie von Vergewaltigungen die Polizei beschäftigt, wird auch Bergman wieder hinzugezogen und begegnet erneut den Kollegen der Reichsmordkommission und auch seiner Tochter Vanja, die nichts von ihm wissen will.

Die Übergriffe auf Frauen häufen sich und es stellt sich heraus, dass die Opfer einander kannten. Und was hat die Kirche damit zu tun? Es dauert lange und geht fast schief, bis die Falle zuschnappt.

In der komplizierten Vater Tochter Beziehung wird Bergman ausnahmsweise mal zum besseren Menschen und ein leichter Hoffnungsschimmer zeichnet sich diesbzüglich ab. Aber nicht für immer.

Interessant ist die Figur von Billy, ein junger Kollege. Aber auch erschreckend...

John Boyne, Der Junge auf dem Berg

S.Fischer Verlag

 

Die Geschichte beginnt 1936 in Paris. Pierrot ist sieben Jahre alt, er hat einen deutschen Vater und eine französische Mutter. Der Vater ist traumatisiert vom Krieg und verbittert über dessen Ausgang. Er verlässt die Familie und die Mutter erkrankt einige Zeit später und stirbt. Pierrot kommt ins Waisenhaus, wo es ihm recht gut gefällt. Dann meldet sich eine Tante, die den Junge zu sich nehmen will und er tritt eine längere Zugreise nach Österreich an . Seine neue Heimat ist ein ganz besonderer Ort- der Sommersitz von Adolf Hitler, der Berghof. Die Tante ist dort Hauswirtschafterin. Von da an ist er Peter, seine französische Herkunft wird verschwiegen.

Pierrot ist ein gescheiter, feinfühliger Junge- im Laufe der Zeit verändert er sich aber sehr unter dem Einfluss Hitlers, es findet eine regelrechte Gehirnwäsche statt. Lange Jahre merkt er nicht, was mit ihm passiert.

Das Buch zeigt in sehr einfacher und eindrücklicher Sprache, wie leicht wir zu manipulieren sind und wie verlockend die Macht ist.

 

Von Boyne ist auch das sehr beeindruckende Buch "Der Junge im gestreiften Pyjama", welches sicher einige kennen.

 

 

 

Ulrike Herwig, Das Leben ist manchmal woanders

dtv

 

Manchmal finden einen Bücher. Dieses habe ich geschenkt bekommen und es wäre sehr schade gewesen, wenn ich es nie gelesen hätte!

 

Judith bekommt Besuch von ihrer etwas verrückten Schwester und ihrem Neffen, der ziemlich seltsam ist. Eigentlich nervt Gregor nur, er ist 14 und anstrengend. Judith und ihr Mann sind froh, dass die beiden nur zwei Tage bleiben wollen, aber dann passiert etwas und sie müssen sich wochenlang um Gregor kümmern. und siehe da- der Junge mischt das ganze Mietshaus auf. Er weiß in kürzester Zeit über alle Bescheid und tut Gutes, ohne es zu planen. Im Haus entsteht Bewegung, alte Verkrustungen brechen auf, Schicksale nehmen eine neue Richtung.

Das Buch tut richtig gut, es ist herzerwärmend und sehr humorvoll geschrieben. Schön zum Selberlesen und ein wunderbares Geschenk!

Sara Paborn, Beim Morden bitte langsam vorgehen

DVA

 

Irene ist pensionierte Bibliothekarin und verwitwet. Glücklich lebt sie in einem kleinen Häuschen- endlich so, wie sie es will.

In einem alten Notizbuch beschreibt sie rückblickend ihr Leben an der Seite von Horst.

Horst, der unverrückbare Grundsätze hatte, immer wusste was richtig war- nämlich seine Meinung und ansonsten total phantasielos. 

 

Hier kurz zwei zitierte Stellen:

"Ist es ein Verbrechen, langweilig zu sein? Ich möchte es nicht ganz ausschließen."

"In der Ehe gibt es immer einen, der gewinnt. Und einen, der feriggemacht wird."

 

Das bietet auf jeden Fall Stoff zum Diskutieren.

 

Irene hält das nicht mehr aus und beschließt, seinen Abgang etwas zu beschleunigen. 

Sehr schwarzhumorig schildert die Autorin das langsame Vergiften von Horst. Mit seinem Dahinschwinden entfaltet sich Irene immer mehr.

Die Geschichte ist sehr amüsant zu lesen, stimmt manchmal auch nachdenklich. Vielleicht hätte es auch eine andere Lösung gegeben als den Tod?

 

Thomas Montasser, Der Sommer der Pinguine

Insel TB

 

Mögen Sie Pinguine? Nicht die im Zoo, nicht die in der Antarktis- nein in diesem bezaubernden kleinen Buch leben sie mitten unter uns. Schon seit langer Zeit. Mrs. Annetta Robington, Lehrerin und Bibliotheksleiterin und sehr englisch macht  eines Tages in London diese unglaubliche Entdeckung. Ihr Leben gerät in Unordung und es passieren überraschende Dinge. Eine märchenhafte Geschichte, witzig erzählt  und ganz sommerlich leicht zu lesen. Und wirklich etwas ganz Besonderes, aus der Zeit Gefallenes.

Übrigens: Pinguine finden uns ziemlich komisch, wir seien so...menschlich...

Anja Jonuleit, Das Nachtfräulein Spiel

dtv

 

Das neue Buch von einer meiner Lieblingsautorinnen- Sie erinnern sich vielleicht noch an die Rabenfrauen?

Und auch das Nachtfräuleinspiel hab ich gelesen, bis ich unscharf sah.

 

Liane, gelernte Kindergärtnerin, wie man damals noch sagt, ist ehrgeizig. Sie will viel erreichen, schafft es mit List und Tücke, ihren Traummann Carl an sich zu binden, studiert, wird Buchautorin für Erziehungsfragen, tritt sogar im Fernsehen auf. Sie hat alles erreicht und gilt als Famlienretterin. Aber ist sie wirklich so, wie sie auftritt? 

Sie nimmt Annamaria zu sich, die schwanger ist und kein Zuhause hat. Allerdings nicht ohne Hintergedanken.Zuerst ist die junge Frau sehr willig, macht alle Arbeit im Haus und ist fasziniert von Liane. Aber bald zweifelt sie, ob diese liebende Familie mit den fünf Kindern wirklich so perfekt ist, wie sie scheinen will. 

Der Roman wechselt zwischen 1968 als alles beginnt, 1985- 1987  und ein Großteil findet in der Gegenwart statt, 2017. Alles hängt zusammen und man fiebert dem nächsten Kapitel entgegen. 

 

Die Autorin schreibt im Nachwort, dass es viele Formen von Extremismus gibt, auch in Erziehungs- oder Ernährungsfragen.

Sicher wird sie kritische Stimmen zu hören bekommen. Aber lesen Sie selbst!

 

 

 

Sue Monk Kidd, Die Erfindung der Flügel

btb

 

Ich habe das Buch in einer kleinen Ausgabe mit auf eine einwöchige Wanderung genommen. Und die knapp 700 Seiten haben gerade so gereicht.

Ich habe jeden Morgen und jeden Abend darin geschmökert und bei längeren Wartezeiten sowieso. 

Es hat mich absolut gefesselt!

Wunderbare Sprache, spannend, aufrührend und geht so richtig ins Herz.

Erzählt wird von 1803- 1838 aus dem Leben von Sarah. Sie lebt in einer damals als normal angesehenen Sklavenhalterfamilie in guten Verhältnissen. Die strenge Mutter, die vielen Geschwister, die Sklaven. Letztere sorgen für Bequemlichkeit und werden wie Dinge behandelt. Auch sie kommen im Buch zu Wort. Hetty, genannt Handful, ist ein Geschenk an Sarah zu ihrem Geburstag. Mit einer blauen Schleife um den Körper steht sie mit elf Jahren vor ihrer neuen Herrin als Kammerzofe. Von da ab sind beider Leben verknüpft. Sarah ist schon als junges Mädchen rebellisch und findet Sklaverei grundfalsch. Heimlich bringt sie Handful das Lesen bei, was nicht ohne Folgen bleibt.

Die beiden jungen Frauen sind sich recht ähnlich in ihrem eigenständigen Denken und ihrem Freiheitsdrang und oft genug werden sie dafür bestraft. Die eine mit Entzug von Büchern, die andere mit der Peitsche.

Sarah führt ihr Weg zu den Quäkern, die sich auch gegen die Sklaverei erheben. 

Aber auch diese weisen Frauen in ihre Schranken und so zerbricht ihre Liebe. 

Handful rebelliert wo sie kann und...nein ich will hier nicht alles Spannende erzählen!

 

Lesen Sie es! Es lohnt sich, zudem verbirgt sich eine authentische Geschichte dahinter. Sarah und ihre Schwester Nina hat es wirklich gegeben, sie waren eine der ersten Frauenrechtlerinnen in Amerika.

Laetitia Colombani, Der Zopf

S. Fischer Verlag

 

Wunderschön!

Drei Frauen, die sich nicht kennen und doch sind ihre Schicksale miteinander verwoben.

Smita und ihre Tochter leben in Indien. Sie sind Unberührbare und Smita wünscht sich nichts mehr als dass ihr Kind eine bessere Zukunft haben soll. Mutig und entschlossen trifft sie eine große Entscheidung.

Giulia lebt in Sizilien und arbeitet in der Perückenfabrik ihres Vaters. Auch ihr Lebensweg verändert sich, als der Vater erkrankt und sie erfährt, dass es mit dem alten Traditionsgeschäft nicht zum Besten steht. Kaum zwanzig übernimmt sie die Firmenleitung und geht neue Wege.

Und dann ist da noch Sarah aus Montreal- eine Vorzeigekarrierefrau. Sie hatte immer alles im Griff, ist durchorganisiert bis ins Letzte. Zwei Kinder, alleinerziehend und äußerst erfolgreich als Anwältin. Ihre immer größer werdende Müdigkeit ignoriert sie, ihr Wille steuert alles. Aber die Diagnose Krebs lässt sich nicht wegdrücken. Und auch Sarah verändert ihr Leben.

Der Zopf nimmt einen weiten Weg von Indien über Palermo nach Montreal.

Die Geschichte ist leicht zu lesen, sehr lebendig und man glaubt, diese Frauen fast zu kennen. 

Sayaka Murata, Die Ladenhüterein

Aufbau Verlag

 

Ein sehr passender Titel in zweierlei Hinsicht.

Keiko Furukura ist bereits Mitte dreissig, unverheiratet, hatte noch nie eine Liebesbeziehung und ist überhaupt sehr merkwürdig. Zumindest in den Augen ihrer Familie und der japanischen Gesellschaft.

Sie tut sich schwer mit Gefühlen und braucht vor allem einen geregelten Alltag. Den findet sie als Aushilfskraft in einem Supermarkt. Sie bricht ihr Studium ab und arbeitet nur noch im Konbini. Dort ist alles klar strukturiert von der Begrüßung der Kunden bis zum immer gleichen Auffüllen der Regale. Eine männliche Aushilfe bringt dann aber ihr Leben sehr in Unordnung. Er zieht sogar bei ihr ein. Allerdings geht die Geschichte dann ganz anders weiter. Der Roman ist witzig, skurril und man kriegt so nebenbei einiges über japanische Lebensmuster mit. 

Tom Saller, Wenn Martha tanzt

List Verlag

 

Dieses Buch liegt momentan überall- in Buchhandlungen, Bibliotheken, bei Freunden.

 

Martha ist schon als Kind ungewöhnlich. Musik und Töne sind bei ihr verschiedene geometrische Formen. Sie weiss noch nicht recht, was damit anzufangen ist und geht als junge Frau nach Weimar zu Gropius ins Bauhaus. Dort entdeckt sie den Tanz als ihre Ausdrucksmöglichkeit. 

Eingebettet ist die Geschichte in die Zeit des aufkommenden Nationalsozialismus. Martha und ihrer unkonventionellen Familie entspricht das so gar nicht. Der Vater weigert sich, mit seiner Kapelle für die Nazis zu spielen, zudem gibt Martha polnischen Kindern umsonst Tanzuntericht. Unerhört! Und gefährlich.

Wie ging es weiter?

2001 wird in New York ein Tagebuch versteigert. Vor allem die Skizzen einiger Bauhauskünstler darin sind eine Sensation. Thomas verkauft das Buch im Auftrag seiner Familie - Martha ist seine Urgroßmutter und er hat deren Aufzeichnungen gefunden. Nach der Auktion wird er eingeladen, den Käufer des Buches kennenzuleren...

 

 

Jan Weiler, Kühn hat Ärger

Piper Verlag

 

Überall hoch gelobt und ich will und kann auch nicht anders!

Bereits vom ersten Kühn Roman war ich hell begeistert und habe mich sehr auf den neuen gefreut. Ein tolles Buch!

Kühn gibt auch diesmal wieder sehr viel von sich preis: die Probleme mit den Altlasten und somit der Wertminderung seiner Immobilie auf der Weberhöhe. Dann ist irgendetwas seltsam am Verhalten seiner Frau Susanne- oder meint er das nur? Kollege Steierer kratzt inzwischen an Kühns Position als Chef. Und mit seiner Gesundheit steht es auch nicht zum Besten. Also überall Probleme.

Außerdem gibt es noch einen scheusslichen Mord an einem jungen Mann zu klären. Amir, ein polizeibekannter Jugendstraftäter, wurde erschlagen aufgefunden. Es stellt sich heraus, dass er in den letzten Monaten eine Wandlung vollzogen hat- sozusagen vom Saulus zum Paulus. Er hat eine Freundin in Grünwald und ist von deren schwerreichen Eltern quasi in den Schoß der Familie aufgenommen worden. Auch Kühn ist sehr beeindruckt von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der van Hautens. Aber ist das alles wirklich echt?

Spannend zu lesen, gesellschaftskritisch  mit Blick auf beide Seiten, humorvoll, aber auch erschreckend. 

Nur das Wort "schön" ist mir an einer Stelle viel zu oft vorgekommen, aber das wird der Leser bestimmt selber beurteilen wollen....lächel...

 

 

 

Reginald Arkell, Pinnegars Garten

Unionverlag

 

Das ist eine Roman für Gartenliebhaber, Freunde englischer Literatur, für alle, die ruhig dahinfließende Geschichten mit leisem Humor mögen.

Pinnegar kommt aus sehr einfachen Verhältnissen. Ihm ist wie allen jungen Dorfbewohnern eine Laufbahn als Knecht vorherbestimmt. Aber will nicht. Pinnegar kennt sich sehr gut mit Blumen aus und gewinnt die Aufmerksamkeit der neuen Lady Charteris. Sie stellt ihn ein und Pinnegar gibt sein Bestes, sein ganzes Leben lang dient er "seinem" Garten. Der Leser begleitet Pinnegar durch siebzig Jahre Zeitgeschichte und sehr viel sozialem Wandel. Alte Ordnungen lösen sich auf, aber Pinnegar bleibt sich immer treu.

Simone van der Vlugt, Nachtblau

Harper Collins Verlag

 

Ein sehr leicht zu lesender historischer Roman.

Catrijin verlässt nach dem mysteriösen Tod ihres Mannes ihr Heimatdorf in Holland. Es ist das Jahr 1654. Zuerst verdingt sie sich als Haushälterin in Amsterdam, muss dann aber weiterziehen nach Delft und fängt in einer Keramikwerkstatt als Malerin an. Sie hat großes Talent und neue Ideen. Der Meister ist begeistert davon und so entsteht das neuartige Delfter Porzellan mit der nachtblauen Farbe. 

Ein sehr schön zu lesendes Stück Zeitgeschichte, spannend, romantisch, traurig- es ist alles drin. Die Schreibweise ist bewusst einfach, aber nie flach. Und so ganz nebenbei begegnet man Rembrandt und Jan Vermeer.  

Romy Fölck, Totenweg

Lübbe Verlag

 

Frieda Paulsen kehrt in ihr Heimatdorf zurück weil ihr Vater niedergeschlagen wurde. Viele Jahre war sie nicht mehr dort. Ihre beste Freundin wurde damals in einem alten Viehstall ermordet, als die Mädchen grade mal 14 Jahre alt waren. Frieda wurde anschließend in ein Internat geschickt um sie zu schützen und der Mörder wurde nie gefunden. Frieda verbirgt ein Geheimnis. Schon sehr lange. Inzwischen ist sie Polizistin und trifft in Deichgraben auf genau denselben Ermittler, der im Fall Marit zuständig war. Und nun passieren seltsame Dinge in dem Dorf. Hängt das alles irgendwie zusammen?

Sehr spannend! Und gut erzählt- das war ein richtiger Schmöker! 

Das Buch ist der erste Fall von Frieda Paulsen und Kommissar Haverkorn, ich freue mich auf den zweiten!

Gough und Field, Rotzhase & Schnarchnase

Magellan Verlag

 

So eine hübsche Geschichte! Und so tolle Bilder!

Bär wird im Winterschlaf gestört, weil ein Dieb ihr (ja, es ist eine weibliche Bär) die Vorräte stiehlt. Es war Hase, der immer so einen Riesenhunger hat. Erst streiten die beiden eine ganze Weile. Über Schneekugeln, die Schwerkraft, Lawinen und Hasenkötel . Als Wolf auftaucht und Hase fressen will hilft Bär dem kleinen griesgrämigen Hasen. Der merkt nun endlich, dass auch er einen Freund braucht. Er gibt Bär ihr Essen zurück und die beiden bauen nun gemeinsam einen schönen Schneemann. 

Sehr schön zum Vorlesen ab fünf und ganz wundervoll illustriert!

 

Moritz Netenjakob, Milchschaumschläger

Kiepenheuer& Witsch

 

Tatsächlich mal was zum Lachen! 

Daniel übernimmt in einem Anfall von Wahnsinn das Lokal von "Mutti", die nach 30 Jahren schließt. Er hat keine Ahnung von Gastronomie und schildert seine kompletten Schwierigkeiten mit Umbau, Wasserschäden, Personalproblemen, exzentrischer Verwandtschaft und den mühsamen Anfängen in einem leeren Cafe. Unterstützt von seiner türkischen Ehefrau Aylin und deren zahlreichen Cousinen, Vettern usw. 

Normalerweise lese ich solche leicht überdrehten Geschichten nicht so gerne- aber diese hat wirklich was! Die Gags sind nie flach, sondern sind richtig witzig ! Zudem hab ich jede Menge über kölsch'en Humor gelernt und auch einiges über türkische Familienbräuche. Rundum gelungen mit großem Unterhaltungswert!

Gallert und Reiter, Glaube, Liebe, Tod

Ullstein TB

 

Das ist Bd.1 einer neuen Serie um den Polizeiseelsorger Martin Bauer. 

Als ein Polizist in selbstmörderischer Absicht von der Duisburger Rheinbrücke springen will, rettet er ihn auf ungewöhnliche Weise. Der Mann stirbt aber kurz darauf trotzdem. War es wirklich ein Suizid? Bauer bezweifelt es und steckt seine Nase in Dinge, die ihn fast das Leben kosten und auch seine Familie in Gefahr bringen.  Ein sehr sympathischer und glaubwürdiger Protagonist. Das Buch ist so spannend wie ein Krimi sein soll. Und es erzählt uns, dass die Vergangenheit oft weit in die Gegenwart reicht. Ich bin sehr gespannt auf den neuen Band um den Seelsorger, der im April erscheinen wird!

Helga Hammer, Durch alle Zeiten

Ullstein Verlag

 

Das Buch erzählt uns das Leben von Elisabeth , die in einem kleinen  Dorf in Österreich aufgewachen ist. Der Einstieg ist hart, es wird geschildert, wie sie ihr drittes Kind auf die Welt bringt. Josef, ihr ungeliebter Ehemann ist wieder mal nicht da, sondern beim Saufen in der Wirtschaft. Überhaupt- die Männer! Mit denen hat sie ihr ganzes leben lang kein Glück. Immer ist sie auf der Suche nach der absoluten Liebe, wird jedesmal enttäuscht. Was bleibt, ist eine neuerliche Schwangerschaft, die sie dann einem neuen nichtsahnenden Mann unterschiebt. Manchmal dachte ich, das Buch spielt im letzten Jahrhundert, aber nein, es ist eine Geschichte aus den Fünziger und Sechziger Jahren. Moral? Gewissensbisse? Elisabeth schaut, wie sie durchkommt. Ihre erste Liebe hat sie nie vergessen- der hat damal eine andere heiraten müssen wegen der besseren Herkunft. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege und sie gibt die Hoffnung auf ein glücklicheres Leben nicht auf.

Erling Kagge, Stille

Insel Verag

 

Was hier mit dem unscheinbaren Umschlag etwas trist daherkommt, ist ein wahres Kleinod. Übrigens verbirgt sich darunter ein sehr buntes Bild...

Das Buch ist wunderbar!  

Der norwegische Autor fragt, was ist Stille, wo finden wir sie, was löst sie aus. Er zitiert Philosophen, beschreibt uns die Stille des Südpols, auch das Meditative des Strickens- und das alles in sehr schönen  Worten. Das Büchlein ist an keiner Stelle langweilig, es ist schon ein Genuss, es in den Händen zu halten wegen der schönen Bilder. Und der Inhalt macht Mut, die Stille in sich zu suchen und mit ihr zu leben. Ein wichtiges und wunderbares Geschenkbuch- erstmal für einen selbst und natürlich auch für andere.

Kristin Hannah, Die Nachtigall

atb Taschenbuch

 

Wunderschön, spannend, bedrückend, lehrreich und wirklich zu Tränen rührend.

Vianne und Isabelle, zwei Schwestern im besetzten Frankreich von 1939 bis nach dem Kriegsende.

Vianne ist verheiratet, hat eine kleine Tochter, als ihr Mann eingezogen wird. Sie versucht ihr Haus zu erhalten, in dem ein deutscher Offizier einzieht. Die erste Zeit passt sie sich weitgehenst an, um ihr Kind nicht zu gefährden, aber als die Nazis die Juden im Ort deportieren, erwacht auch in ihr der Widerstand.

 

Und Isabelle, die schon als Kind nur störrisch war, schließt sich sehr bald einer Untergrundbewegung an, die abgestürzte Piloten der Alliierten über die Pyrenäen nach Spanien führt. Sie wird von den Nazis gejagt und schließlich in ein Straflager gesteckt. Die Geschichte berührt einen sehr, es gibt viele traurige und äußerst realistische Szenen im Buch.

Die beiden Frauen sind sehr unterschiedlich und doch wieder nicht. Auch als Schwestern müssen sie erst zusammenfinden. Das Ende ist traurigschön.

 

Jean E. Pendziwol, Das Licht der Insel

Penguin Verlag

 

Eine blinde Frau in einem Seniorenheim in Kanada, , die über alten Tagebüchern sitzt und sie nicht lesen kann. Ein junges Mädchen, das ihr aus den Büchern vorliest und diese zu Tage gekommenen Geheimnisse verändern auch ihre Zukunft.

Ausgebreitet wird das Leben der Zwillingsschwestern Elilzabeth und Emiliy. Sie wachsen auf einer Insel auf. Der Vater ist Leuchtturmwärter, die Mutter hilft ihm und die Kinder genießen sehr viel Freiheit in der Natur. Die Schwestern hängen sehr aneinander- Emiliy ist ein besonderes Kind, sie spricht nie, hat aber großes Talent zum Malen. Es gibt auch noch zwei Brüder, die als junge Männer in den Krieg ziehen müssen. 

Irgendetwas ist in der Vergangenheit passiert - aber genau dieser Zeitraum ist durch Nässe in den Tagebucheintragungen unleserlich geworden. Dem jungen Mädchen Morgan gelingt es, sie wieder herzustellen und es kommt Unglaubliches zum Vorschein!

Sehr spannend, die ganze Geschichte rührt einen mehrmals zu Tränen. Es ist ein richtig gut geschriebener Schmöker im besten Sinne!

 

 

Dan Gemeinhart, Ein weiter Weg

Königskinder Verlag

 

Ein Jugendbuch ab ca. 11 Jahre.

Amerika 1890. 

Joseph ist zwölf und ganz allein auf der Welt. Mutter und Schester sind an Thyphus gestorben, der Vater hatte einen Unfall. Der Junge lebt seither auf einer Farm bei einem unfreundlichen Mann, der ihn um sein letztes betrügt, an dem sein Herz hängt: die Stute Sarah. Als Joseph merkt, dass sein Pferd an einen unehrlichen Pferdehändler verkauft wurde, hefet er sich an dessen Spur um Sarah zurückzuholen. Unterwegs begegnen ihm einige Menschen, die ihm helfen, auch der kleine Chinesenjunge A-Kih, der ihn auf seinem Weg ein Stück begleitet.

Die Handlung ist sehr spannend erzählt,  macht Mut, schwierige Situationen anzugehen und daran zu wachsen. Manchmal fast zu schön, um wahr zu sein, aber in Geschichten ist alles möglich und es ist gut, ein Happy End zu lesen.

Das Buch ist etwas für Kinder, die gerne Abenteuergeschichten lesen und etwas für Pferde übrig haben. 

Jodi Picoult, Kleine große Schritte

C.Bertelsmann

 

Die Leser von Picoult wissen, dass sie sich immer eines brisanten Themas annimmt. So auch im neusten Buch.

 

Ruth, die einzig Farbige auf ihrer Geburtenstation hat 20 Jahre Erfahrung als Hebamme und gilt als äußerst kompetent und zuverlässig. Sie hat ihr Leben im Griff, einen wohlgeratenen halbwüchsigen Sohn und meint, akzeptiert zu sein in einen weissen Mehrheit.

Das ändert sich, als ein rassistischer Vater ihr verwehrt, sich um seinen neugeborenen Sohn zu kümmern. Dazu kommt der unglückliches Todesfall dieses Babys und die Lage eskaliert. Ruth wird wegen Mordes verhaftet und verliert von einem Tag auf den anderen alles- ihre Sicherheit, ihre Würde, ihren Lebensunterhalt.

Ihre Pflichtverteidigerin Kennedy tut alles, was ihr möglich ist, um Ruth frei zu bekommen. Zum erstenmal in ihrem Leben stellt sie sich selbst Fragen. Inwieweit ist jeder von uns rassistisch? Wir weisen das alle von uns zurück, sind aber nicht täglich im Alltag damit konfrontiert. Picoult stellt das sehr schön anhand von "normalen" Begebenheiten dar- z.B. dass Farbige automatisch mehr im Supermarkt beobachtet werden oder dass man einem Weissen von vornherein mehr Kompetenz zutraut.

Auch der übervorsichtige Umgang, um ja nichts falsch zu machen, gehört dazu.

Große Teile des Buches spielen vor Gericht- ein interessanter Einblick in die amerikanische Justiz.

 

Die Geschichte wird von drei Personen erzählt- von Ruth, von der Anwältin und von Turk, dem rassistischem Vater.

 

Anja Jonuleit, Der andere Tod

dtv

 

Sehr spannend!

Max Winther ist bei einem Brand in seiner Firma so sehr verletzt worden, dass er zwei Jahre im Ausland in einer Klinik verbringen muss. Seine Frau Anouk steht ihm liebevoll zur Seite und versucht, seinem Gedächtnis wieder auf die Sprünge zu helfen. Denn Winther kann sich an absolut nichts aus seiner Vergangenheit erinnern, sieht nur immer wieder Fragmente in zumeist scheusslichen Albträumen.

Wieder zuhause in Bregenz tun sich immer mehr Fragen für ihn auf und er sieht sich als einen Mensch, der er nicht sein will.

 

Ich konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen, hatte beim Lesen immer mal wieder Ideen für eine Lösung und lag letztendlich fast richtig- sicher sein konnte ich mir aber nicht.

Anja Jonuleit schreibt ganz wunderbar, ich bewundere ihre Fähigkeit, sowohl Spannendes, Historisches, Dokumentarisches in tolle Geschichten einzubetten.

Paolo Cognetti, Acht Berge

Deutsche Verlagsanstalt

 

Da schaut ein Autor ganz genau hin und kann wunderschön erzählen- von den Bergen, von Einsamkeit, von Vater-Sohn Beziehungen und von einer lebenslangen Freundschaft zwischen zwei Männern, die in der Kindheit begonnen hat.

 

Pietro und Bruno verleben immer die Sommer zusammen im Monte-Rosa - Massiv. Pietros Vater, der begeisterter Bergwanderer ist, nimmt die Jungen oft mit auf seine Touren. Irgendwann hat Pietro keine Lust mehr und entfernt sich weit von seinem Vater. Bruno hingegen- das Kind, das die Kühe im Dorf hütet, hat zeitlebends eine starke Bindung an Pietros Vater , begleitet ihn noch lange. Nach dem Tod des Alten, erbt Pietro eine Bergwiese mit einer zerfallenen Hütte und kommt zurück. Bruno baut für Pietro die Hütte neu auf und Pietro ist sein Bauhelfer.Die beiden Freunde sind sich immer noch sehr nahe und verlieren sich künftig nicht mehr aus den Augen, auch wenn beider Leben sehr gegensätzlich ist. Pietro wird Dokumentarfilmer und reist sehr viel, Bruno kommt zeitlebends nicht aus seinem Dorf heraus und fühlt sich als Bergbauer.

Ein berührendes Buch mit intensiven Bildern und Aussagen!

Lo Malinke, Alle müssen mit

Fischer Taschenbuch

 

Dieses Buch gab es zuerst als Drehbuch für den Film: "Heimat ist kein Ort". Und es entstand aus Bruchstücken von Tagebucheintragungen der Großmutter der Autorin.

Jahre später hat sie ein wunderbares Buch daraus gemacht- ein Roadmovie. Amüsant, originell, rasant, durchgedreht, bedrückend und zu Tränen rührend. Und auch hoffnungsvoll.

 

Erzählt wird die Geschichte einer kaputten Familie, die keine mehr ist. Die drei Geschwister Inge, Klaus und Uwe hatten eine lieblose Kindheit nach dem Tod ihrer Mutter. Der Vater war nicht fähig, aus seiner Trauer aufzutauchen und sich um die Kinder zu kümmern. Sie wurden auseinandergerissen .

Zu Beginn der Geschichte ist der Vater gestorben und hat in seinem Testament verfügt, dass alle Kinder zusammen seine Asche an vorbestimmten Stellen in Polen verstreuen sollen.

Sehr widerwillig fügen sie sich in der Hoffnung auf ein stattliches Erbe. Klaus hat noch seinen uralten VW-Bus  von früher. Damit beginnt die Reise . Inge nimmt noch ihre Tochter Jule mit , außerdem gehört Krzysztof, ein junger Anwaltsangestellter mit zur Reisegesellschaft, der sowohl als Reiseleiter als auch als Aufsicht fungiert.

Unterwegs passieren die skurrilsten Dinge, die Geschwister könnten unterschiedlicher nicht sein, nehmen zudem jede Menge Probleme von daheim mit. Es wird gestritten bis aufs Blut.

Und trotzdem- irgendwie sind sie einander verbunden und es gibt Hoffnung. Vieles wendet sich zum Guten.

 

Helen Simonson, Der letzte Sommer

Dumont Verlag

 

Hmmm...so ein schönes Buch!

Es ist der letzte Sommer, bevor der 1. Weltkrieg ausbricht.

Die arme Waise Beatrice- allerdings schon ein älteres Fräulein von Mitte 20- kommt in die Küstenstadt Rye in England. Sie muss sich ihren Lebensunterhalt als Lehrerin verdienen. In Rye trifft sie auf eine illustre Gesellschaft von Künstlern, Snobs, zwei interessanten jungen Männern und auf diverse Frauenkomitees. Letztere fahren zu Hochform auf, als der Krieg ausbricht, der von vielen als neues Spiel angesehen wird. Bis sie die Wirklichkeit einholt.

 

Das Buch ist wunderbar ironisch geschrieben, manchmal treibt es die Autorin wirklich auf die Spitze. Ich habe mich köstlich amüsiert! Vor allem Beatrice ist ungheuer sympathisch mit ihrem Freiheitsdrang und ihrer Intelligenz. Die "feine Gesellschaft" kommt weniger gut weg, über die wird tüchtig gespottet. Später dann kommen auch ernste Passagen, als sie den Krieg und die Lazarette in Frankreich beschreibt.

Insgesamt ein wirklich wunderschönes Buch!

 

Alexandra Fröhlich, Gestorben wird immer

Penguin Verlag

 

Als erstes: der Titel entspricht nicht dem Inhalt. Ich hatte mir unter dem Buch etwas anderes vorgesteltt, wurde aber sehr positiv überrascht.

Es geht nicht so sehr um diesen Grabsteinbetrieb, sondern es ist eine Familiengeschichte aus Ostpreußen, die sich über Jahrzehnte zieht und von verschiedenen Familienmitgliedern erzählt wird. Teils Vergangenheit, teils Gegenwart. Agnes, das betagte Oberhaupt der Familie mit unbeugsamen Willen, ist die Hauptprotagonistin. Um sie scharen sich Männer, eine böse Schwiegermutter, Brüder, Kinder, Enkel- es gibt Geheimnisse, die sich nun erst offenbaren , Geschichten aus der Nazizeit, die Flucht aus Ostpreußen und wie es in Westdeutschland weiterging.

Wirklich sehr schön erzählt, die Personen sind lebendig geschildert und mit viel Humor.

Ein Buch zum Mitdenken, Mitleiden, Miterleben.

Maja Lunde, Die Geschichte der Bienen

btb

 

Dieses Buch erzählt drei Geschichten, jede für sich berührend und fesselnd.

England 1850: William ein Samenhändler mit sehr vielen Kindern und einer Depression hat eine neue Geschäftsideee und fängt an, besser Bienenstöcke zu bauen.

 

Amerika 2007: Imker George liebt seine Bienen und arbeitet fürsorglich, baut sogar seine Bienenstöcke noch selbst, wie zu Williams Zeiten. Doch eines Tages sind fast alle Stöcke leer, die Bienen weg. Nicht nur bei ihm, sondern im ganzen Land.

 

China 2098: Die Menschheit muss inzwischen ums Überleben kämpfen. Die Insekten, die früher die Pflanzen bestäubt haben, sind verschwunden. Tao und viele, viele Tausend andere, bestäuben die Obstbäume von Hand. Bereits mit acht Jahren müssen auch Kinder anfangen zu arbeiten. Bei einem Ausflug passiert Taos Sohn Wei Wen ein mysteriöser Unfall. Er wird isoliert und weggebracht. Seine Mutter Tao macht sich auf die Suche und reist nach Peking. Sie findet Antworten und kehrt zurück zu ihrem Mann.

 

Schon lange nicht mehr hat mich ein Buch so beeindruckt. Der Autorin gelingt es mit leichter Hand, Zusammenhänge klar zu machen . Alles ist miteinander verbunden. Und sie macht Hoffnung- vielleicht lernen die Menschen aus dem Geschehenen. Unbedingt lesen!

Morten Brask

Das perfekte Leben des William Sidis

Nagel & Kimche Verlag

 

William Sidis hat es wirklich gegeben. Er lebte von 1898 bis 1944 und galt als der intelligenteste Mensch aller Zeiten mit einem geschätzten IQ von 250. Glücklich hat es ihn nicht gemacht, er hatte ein tragisches und einsames Leben.

Morten Brask hat einen Roman über ihn geschrieben, der mich von Anfang an gefesselt hat. Der kleine William konnte bereits mit 18 Monaten flüssig lesen und war sowohl ein mathematisches als auch ein sprachliches Genie. Von ganz klein auf förderten ihn die Eltern - eigentlich hielten sie ihn als Versuchskaninchen. Der arme Junge hatte keine Kindheit, keine Freunde, keine Spiele. Bereits mit 17 unterrichtete er an der Universität, wurde aber nie anerkannt, sondern von den meisten Mitstudenten gedemütigt. Er zog sich immer mehr von den Menschen zurück. Auch seine einzige Liebe wurde nicht erwidert . Als er wegen Beteiligung an einer kommunistischen Demonstration ins Gefängnis muss, holen seine Eltern ihn zwar wieder heraus- aber sie lassen ihn entmündigen und erklären ihn für geisteskrank. Zwei Jahre lebt er bei ihnen, fast wie ein Gefangener, bis ihm die Flucht gelingt.

Sein restliches Leben versucht er, sich und seine Besonderheit zu verstecken. Er möchte nur wie ein ganz normaler Mensch leben, aber es gelingt ihm nicht.

Thomas Glavinic

Das größere Wunder

dtv TB

 

Mal wieder etwas mit mehr Inhalt, mehr Widersprüchlichem, mehr Philosophie, mehr Unverständlichem...

Eine Geschichte, die einem kaum Zeit zum Luftholen lässt. nein- es sind sehr viele Geschichten, eine an die andere gereiht und allesamt unglaublich phantasievoll , teilweise auch verstörend.

Jonas ein sehr reicher Mann ist am Mount Eversest um ihn zu besteigen. Es ist unglaublich anstrengend. Er war schon fast überall, ruhelos, suchend.  Aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen wurde er von einem reichen , etwas zwielichtigen Mann aufgenommen, mit dessen Enkel er eng befreundet ist. Während dieser Bergbesteigung erfahren wir seine Lebensgeschichte. Er macht die verücktesten Dinge , immer auf der Suche nach dem Sinn und nach sich selbst.

 

Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite, man will immer wissen, wie es weitergeht. Immerhin auf über fünfhundert Seiten. Wer abenteuerliche Geschichten mit Anspruch liebt ist hier genau richtig!

Frank Goldammer, Der Angstmann

Dtv

 

Goldammer ist ein jüngerer Autor aus Dresden, der schon einige Relgionalkrimis geschrieben hat, die ich auch noch nicht gelesen habe. Dieses Buch hier hat mir eine Kollegin empfohlen. Und ich muss ihr zustimmen, dass man es nicht mehr weglegen kann, so spannend ist es. Es spielt in Dresden von Nov. 44 bis Mai 45. Goldammer kennt sein Dresden gut und bringt jede Menge Geschichte in das Buch hinein. Einerseits die äußerst genaue Beschreibung der letzten Monate in der Stadt, die Bombennächte, den Alltag der Einwohner, der Hunger, die Kälte- alles ist so genau geschildert, dass man meint, mitten drin zu stehen.

Die bürgerliche Ordnung beginnt sich vollends aufzulösen, ein Menschenleben gilt fast nichts mehr und Gesetze sind willkürlich.

Kriminalinspektor Max Heller ist einer der letzten , die Dienst tun bei der Polizei und er muss sich oft genug gegen hitlertreue Vorgesetzte durchsetzen. Mangels Personal wird er zum Einzelkämpfer und versucht den „Angstmann“  festzunehmen.

Dieser Angstmann ist wirklich gruselig. Er lauert jungen Frauen auf und ermordet sie bestialisch. Es geht das Gerücht um, dass er aussieht wie ein Affe und unmenschliche Laute von sich gibt…

Fast hat Heller ihn, da trifft der große Bombenhagel Dresden und kein Stein bleibt auf dem anderen.  Als dann die Russen in der Stadt sind, muss Heller sich auch irgendwie durchschlagen. Da passiert ein neuer Mord- der Angstmann ist zurück!

Ich fand das Buch sehr detailgenau und geschichtlich interessant, auch die Krimihandlung wahnsinnig spannend. Nur der Schluss, da müsste man nochmal drüber reden…

Brigitte Glaser, Bühlerhöhe

List Verlag

 

Das bekannte Hotel Bühlerhöhe gibt die Kulisse ab für diesen Roman der 1952 im Schwarzwald spielt. Konrad Adenauer reist zur Kur dorthin und angeblich ist ein Attentat auf ihn geplant. Adenauer tritt im Buch allerdings kaum in Erscheinung, er bleibt eine Figur im Hintergrund.

Rosa Silbermann ist eine junge Israelin, die für den Geheimdienst arbeitet und in dessen Auftrag in das Nobelhotel geschickt wird.Sie soll das Umfeld beobachten und notfalls Adenauer schützen. Die Besetzung ist ideal, denn Rosa war als Kind oft dort in den Ferien und kennt das Umfeld und natürlich die Sprache. Ihre Gegenspielerin ist die Hausdame des Hotels, eine Französin, die im Krieg mit den Nazis gemeinsame Sache gemacht hat. Nun will sie wieder die Seite wechseln durch eine geschickte Heirat .

Das Buch liest sich interessant, ist aber kein Agententhriller, wie wir ihn z.B. von den Amerikanern kennen. Alles ist ein wenig beschaulicher.

Übrigens- der geplante Anschlag ist fiktiv, in Wirklichkeit hat es den nie gegeben.

Isabel Bogdan, Der Pfau

Kiepenheuer& Witsch

 

Ein altes abgelegenes Herrenhaus in Schottland. Die Besitzer vermieten Cottages und Zimmer um die hohen Erhaltungskosten des Hauses halbwegs zu erwirtschaften.

Auf dem weitläufigen Gelände stolzieren eine Anzahl freilebender Pfaue, die mit ihrem lauten Geschrei bisher nicht weiter störten. Nur einer- der ist irgendwie verrückt geworden und attakiert plötzlich alles mit Schnabelhieben, was irgendwie blau aussieht.

Gerade da trifft eine Gruppe von Bankern ein, die mit Psychologin und Köchin ein Coachingwochenende abhalten wollen. Alle sehr

steif und professionell. Aber die Umstände ändern sich und somit auch die Beteiligten. Die Gruppe wird eingeschneit und es passiert mancherlei Unvorhergesehenes. Unglaublich , was so ein Pfau alles bewirken kann!

Ich fand die Geschichte sehr amüsant, sehr britisch und äußerst originell!

 

Anja Jonuleit, Rabenfrauen

dtv premium

 

Ein beeindruckendes Buch! Es fängt ganz harmlos an. Ruth und Christa helfen in den Ferien beim Kartoffelkäfersammeln- es ist 1959.

Zufällig kommen sie in Kontakt mit einer freikirchlichen Gruppe, zu der sich vor allem Christa immer mehr hingezogen fühlt. Auch wegen Erich, der dort aktiv ist. Blind vor Liebe  wird sie immer mehr in diese Sekte von Paul Schäfer hineingezogen. Die Freundinnen streiten sich , Christa bricht jeglichen Kontakt ab und Ruth versucht lange Zeit , die Freundin dort rauszuholen.Wir haben sicher alle schon den Namen Colonia Dignidad gehört. Diese Sekte hatte in Chile ein großes abgeschottetes Areal in dem unglaubliche Dinge passierten. 

All dies begann in Deutschland. In Siegburg gründete Schäfer ein Heim für gefährdete Jugendliche. Was sich hinter den Mauern abspielte erfuhr man erst sehr viel später.Die Gemeinschaft wanderte 1961 nach Chile aus. Die Autorin erzählt fiktiv  und aus der Sicht beider Freundinnnen zu verschiedenen Zeiten. Am Ende des Buches, in der Gegenwart schließt sich der Kreis. Ungeheuer packend, man schüttelt den Kopf und fragt sich, wie das alles möglich sein konnte. Diesen Menschen wurde alles genommen, ihre Kinder, ihre Freiheit, ihre Empathie.

 

 

Ulla- Lena Lundberg, Eis

Goldmann TB

 

Ein wunderschönes ruhiges Buch über eine Pfarrersfamilie in den Nachkriegsjahren, die auf den Örar Inseln wohnt. Dort zwischen Finnland und Schweden ist das Leben rau und ursprünglich.

Petter, der junge Pfarrer, ist ein erfrischend positiver Mensch, fast schon naiv- er sieht in allem das Gute. Seine Frau Mona ist eher praktisch veranlagt und hält Haus und Hof in Schwung. Sie interessiert sich sehr für Landwirtschaft und führt einige Neuerungen ein, die von den Inselbewohnern erst argwöhnisch bestaunt werden.

Ein kleines Mädchen- Sanna- gehört auch noch zur Familie und später kommt noch eine Tochter zur Welt. Sie wachsen in einem sehr liebevollen Umfeld auf.

Das Buch bezaubert durch die ruhigen Schilderungen des miteinander lebens, durch die Dankbarkeit fürs alltägliche Glück, durch die sehr gut geschilderten verschiedenen Persönlichkeiten.

Der Zusammenhalt auf der Insel ist groß- auch wenn es wie überall verfeindete Familien gibt. Nichts bleibt geheim- allein schon wegen der Telefonvermittlung.

Leider währt das Glück nicht ewig, es kommt ein schwerer Schicksalsschlag auf die Pfarrersfamilie zu.

 

Es ist ein Buch, das im Gedächtnis bleibt und es hat mir, wie man wohl merkt, ganz ausgezeichnet gefallen!

Die Autorin erzählt hier übrigens die Geschichte ihrer Eltern.

Elizabeth von Arnim, Verzauberter April

Insel

 

Für mich ein absoluter "Klassiker"- eigentlich lese ich es jeden Winter- vorzugsweise im Februar an einem trüben Tag. So beginnt auch von Arnims Buch.

Mrs. Wilkins liest eine Anzeige in der Times: "Kleines italienisches Castello für den Monat April zu vermieten".Die Sehnsucht wächst und wächst...alleine kann sie sich die Miete allerdings nicht leisten und so tut sie sich mit drei anderen Damen zusammen, die sie erst durch dieses Vorhaben kennenlernt. Im Castello angekommen prallen die unterschiedlichsten Welten aufeinander- es gibt Zänkereien um das schönste Zimmer, um Tischsitten und Angewohnheiten. Aber siehe da- der Frühling, der blühende Garten, alles tut in kürzester Zeit seine Wirkung - die Frauen verändern sich - sie werden ruhiger und weicher. Fangen an, das Leben zu genießen und die Augen wieder aufzumachen für all die schönen Dinge um sie herum.Vergessen ihre momentanen Sorgen und  leben ganz in der Gegenwart.

Es ist ein ungeheuer positives Buch, man meint , die Blumen selbst zu riechen , die warme Luft zu spüren...Die Sprache ist leicht und sehr humorvoll, Elizabeth von Arnim hat in all ihren wunderschönen Büchern einen sehr feinen ironischen Stil- über vieles macht sie sich lustig- nicht zuletzt über ein, zwei Ehemänner, die aber doch tatsächlich geläutert aus dieser Geschichte hervorgehen. Ein großes Lesevergnügen!

Robert Seethaler

Ein ganzes Leben

Goldmann Taschenbuch

 

Welch ein berührendes Buch über ein einfaches Leben! Eine Zeit, die uns so fern zu sein scheint- und doch ist es noch gar nicht lange her.

Andreas Egger ist ein uneheliches Waisenkind und wird widerwillig von einem entfernten Verwandten aufgenommen. Er muss hart arbeiten und wird oft mit der Weidengerte geschlagen. Einmal so hart, dass sein Oberschenkelknochen bricht. Seitdem hinkt er, da der Bruch nur notdürftig versorgt wurde.

Egger wächst heran, lernt nur das Nötigste in der Schule- wird aber ein großer starker Mann. Zum Arbeiten kann man ihn gut gebrauchen. Viele Jahre schuftet er bei einer Firma, die Seilbahnen im Gebirge baut. Er kennt nichts außer Arbeit, lebt in einer einfachen Hütte und baut etwas Gemüse für sich an. Einmal verliebt er sich und Marie erwidert die Gefühle. Alles scheint sich zum Besseren zu wenden- da schlägt das Schicksal erneut zu. Und nicht das letztemal. Egger erträgt alles, auch den Zweiten Weltkrieg und jahrelange Kriegsgefangenschaft.

Wieder zuhause wird er immer mehr zum Einsiedler und stirbt schließlich als alter Mann still und unspektakulär.

Das Buch ist beeindruckend durch die stille Zufriedenheit, die es ausstrahlt. Egger nimmt alles wie es kommt, klagt niemanden an, jammert nicht- es ist wie es ist. Er hat auch schöne glückliche Zeiten.

 

Interessant auch die Einblicke in das bäuerliche Leben in den Bergen von vor dem Krieg bis in die siebziger Jahre. Der Beginn des Tourismus, die neuen Skipisten, die geführten Wanderungen.

de Lestrade, Die große Wörterfabrik

mixtvision

Und gleich noch ein winziges Bilderbuch, das mir sehr gefallen hat:

Es gibt ein Land, da können die Menschen fast nicht reden- nur, wenn sie die Wörter kaufen. In der großen Wörterfabrik werden alle Arten von Wörtern hergestellt- liebe Wörter, Schimpfwörter. Und wie das so ist- wer das meiste Geld hat, kann sich auch viele Wörter leisten...

Paul will Marie einige schöne Wörter zum Geburtstag schenken- er hat lange gespart. Aber da gibt es noch den reichen Oskar- der hat Wörter im Überfluss. Aber Marie weiss , was wirklich zählt... der Schluss des kleinen Büchleins ist ganz liebreizend und treibt einem fast ein Rührtränchen ins Auge...

Alina Bronsky, Baba Dunjas letzte Liebe

Kiepenheuer& Witsch

 

Baba Dunja ist ein alte Frau- eine sehr alte Frau. Sie lebt mit noch ein paar verlorenen Seelen in Tschernowo - einem verlassenen Dorf bei Tschernobyl in der Todeszone. Keiner traut sich mehr dorthin, auch der einzige Bus hält zwei Stunden Fußmarsch vorm Dorf.

Baba Dunja hat schon früher dort gelebt und irgendwann beschlossen, in ihr Haus zurückzukehren. Was soll ihr schon passieren? Sterben muss sie sowieso irgendwann in nächster Zeit. Das Leben ist sehr friedlich in dem kleinen Dorf. Sie baut ihr Gemüse an, ab und zu bekommt Dunja ein Paket von ihrer Tochter aus Deutschland. Sie braucht nicht viel zum Leben.Die Nachbarschaft ist angenehm, man lässt sich gegenseitig in Ruhe oder kümmert sich auch umeinander, wenn es nötig ist.

Eines Tages tauchen zwei Fremde auf und die Lage beginnt sich zu verändern...

 

Eine kleine Geschichte über ein einfaches, selbstbestimmtes Leben im Alter. Und ungewöhnliche Menschen, die sonst nirgends eine Heimat finden.

Jan Weiler , Kühn hat zu tun, Kindler Verlag

 

Kühn, von Beruf Polizist, hat Schwierigkeiten mit sich und seinem Kopf- er macht sich zuviele Gedanken - über alles. Und diese Gedanken sind sehr interessant. Oft denkt er, er wird vollends verrückt.

Dazu kommt ein Mordfall in seiner Siedlung, der ihm näher rückt, als gedacht. Und auch die Vergangenheit der Siedlung spielt eine wichtige Rolle.

 

Das Buch ist ganz wunderbar! Mein Exemplar ist inzwischen richtiggehend zerfleddert, da von vielen Leuten gelesen und die Meinung ist einhellig: sehr, sehr gut!

Unterhaltend, spannend, teilweise sehr komisch und wunderbare Beschreibungen von Alltäglichkeiten, bei denen man sofort ein klares Bild vor Augen hat.

Ich finde, Jan Weiler hat sich sehr gesteigert!"

 

 

 

 

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